Eines der tollen Dinge am Bloggen ist für mich, viele neue Leute kennenzulernen. So zum Beispiel auch die Autorin Maria Margareta Koch. Wir sind uns auf Instagram begegnet, eines führte zum anderem und so könnt ihr heute hier unser Interview lesen. Ich wünsche euch dabei viel Spaß 🙂

Liebe Maria, du bist Autorin aus Oberbayern und hast bereits zwei Bücher veröffentlicht. Magst du uns zunächst etwas über dich erzählen, und darüber, wie du zum Schreiben gekommen bist?
Ich war als Jugendliche eine sogenannte >Leseratte<, die auch gern und viel schrieb. Es existiert zum Glück noch das Poesiealbum, das ich als 9jährige mit selbst geschriebenen und selbst illustrierten Geschichten füllte.
Seit vielen Jahren schreibe ich bei den >Zeitschreibern< in München kurze autofiktive Texte, die ich zum Teil öffentlich lese.
Mein erster Sohn erlitt bei der Geburt einen Sauerstoffmangel und ist deshalb geistig behindert. Über ihn zu schreiben hat mir bei der Verarbeitung geholfen und Freude gemacht, seine witzigen und kommunikativen Seiten zu erleben und literarisch zu nutzen.
Kannst du uns deine bisher erschienenen Bücher vorstellen?
»Das kann nich jeda, sagt mein Bruder Benni, der mega coole Behindi« mit ISBN 9783756275663: Darin geht es um den 16jährigen Leander, der die Scham über den geistig behinderten Bruder Benni überwindet und sogar von dessen besonderen Stärken lernt.
»Überwiegend Himmel. Ein Frauenleben« mit ISBN 9783757907532: Darin geht es um die taffe 34jährige Hansi, deren verdrängter, gefühlvoller Anteil Léona wieder auftaucht. Erst die Versöhnung ihrer beiden Seiten lässt Hansi Léona die Selbstliebe und das Glück finden.
Deine Bücher klingen sehr aus dem Leben gegriffen. Ich bin sicher, viele Menschen können sich mit deinen Geschichten identifizieren. Du hast schon die verschiedensten Berufe gemacht, wie Sozialpädagogin oder auch Trauerbegleiterin. Nun bist du auch Autorin. Wie fließen deine weitreichenden Erfahrungen in deine Bücher ein?
Ohne meine besonderen beruflichen Erfahrungen würde ich vielleicht keine Bücher schreiben. Als Sozialpädagogin habe ich mit geistig Behinderten, mit Trauernden und mit Geflüchteten gearbeitet. Mit diesen Erlebnissen spiele ich, d.h. ich verfremde sie für meine Bücher, doch die Impulse dazu entsprechen der Wirklichkeit. So bin ich froh über den Reichtum meiner Erfahrungen.
Im Sommer soll dein nächstes Buch erscheinen! Gibt es schon einen Titel, bzw. kannst du schon verraten, wovon das Buch handelt?
Der Titel ist: »Das liebt nicht jeder«, und es schließt an das erste »Benni« Buch an. Benni wohnt inzwischen schon seit zwei Jahren im Wohnheim und hat ein großes Anliegen, das heißt: »Ich will kein Single sein.«
Sich im Betrieb und in der Wohngruppe den Frauen liebevoll zu nähern sollte möglich sein, wenn die Betreuer*innen nicht dagegen wären. Bennis Thema wird zum Problem und seinen Kontaktversuchen folgen Drohungen. Da taucht eine attraktive Frau auf, mit der Benni knutschen darf. Aber etwas stimmt nicht mit Sunny. Warum kann Benni sie nicht riechen?
Das klingt nach einer schönen und mal etwas anderen Geschichte. Was macht dir am Schreiben am meisten Spaß?
Das Kombinieren von Realität und Fantasie. Damit drücke ich meine echten Anliegen aus und hebe sie auf eine neue Ebene. Was wäre, wenn …. ? Das bringt mich jedes Mal in einen Flow, den ich liebe.
Welches Buch würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Vielleicht die Bibel. Sie schreckt mich mit ihrem Umfang ab, gleichzeitig möchte ich mich in ihre Geschichten einlassen. Dafür wäre die einsame Insel eine echte Chance.
Welche Rolle spielen die Themen Behinderung, Anders-sein und Familie in deinen Büchern?
Eine ganz wichtige. Schon vor der Geburt meines geistig behinderten Sohnes hab ich mich für Außenseiter und Randgruppen interessiert. Meine beste Freundin in der Grundschule kam aus einer Roma Familie. Dass ich mich nach dem Abitur für ein Studium der Sozialpädagogik entschied, war naheliegend.
Und über welche Themen schreibst du überhaupt gerne?
Der Slogan »Das Private ist politisch« aus der Frauenbewegung treibt auch mich beim Schreiben an. Gewalt in der Ehe und Missbrauch sind gleichermaßen meine Themen wie der berechtigte Anspruch jedes Menschen auf Liebe und Glück. Ungerechtigkeiten gegenüber Geflüchteten und Behinderten machen mich zornig und mutig. Es gibt viel zu schreiben!
Was würdest du dir für unsere Gesellschaft in Bezug auf das Thema Inklusion wünschen?
Ich wünsche mir, dass wir die Vielfalt und Heterogenität unserer Gesellschaft als selbstverständlich ansehen. Die Rahmenbedingungen sollten so gestaltet sein, dass jeder darin ein gutes Leben hat. Für die Betreuung von geistig Behinderten bedeutet es, dass sich die Betroffenen nicht an ein bestehendes, starres System anpassen müssen, sondern in ihren jeweiligen Stärken und Besonderheiten wahrgenommen und unterstützt werden.
Was war bisher dein schönstes Erlebnis in Bezug auf deine Arbeit als Autorin?
Die erste Lesung aus meinem Benni-Buch »Das kann nich jeda“ 2023 auf der Leipziger Buchmesse.
Vielen Dank für das spannende und schöne Interview!