Vor kurzem habe ich auf Instagram die neunzehnjährige Autorin Janchen Märchendrache kennengelernt, die in ihren Büchern über Body Positivity, Selbstliebe, Akzeptanz und die Liebe schreibt. In unserem Interview erfahrt ihr mehr über ihre Bücher, ihr(e) Lieblingsmärchen und über welche Themen sie selbst gerne viel öfter in Büchern lesen würde (und was sie tut, um das zu schaffen 😉 ).
Liebe Janchen, du hast mit deinen 19 Jahren schon einige Bücher geschrieben und veröffentlichst die unter deinem Pseudonym Janchen Maerchendrache – ziemlich beeindruckend! Wie bist du denn zum Schreiben gekommen? Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden? In deinen Büchern geht es um Selbstliebe, Akzeptanz, Body Positivity – was ist dir beim Schreiben wichtig und was möchtest du deinen Leser:innen vermitteln?
Ich bin selber nicht nur Schreibende, sondern auch eine Leserin und ich habe schon viele gute Liebesgeschichten gelesen, was mir dabei aber bisher oft gefehlt hat, sind (junge) Frauen, die auch mal kurviger sind. In den meisten Büchern steht nicht unbedingt, ob sie dick oder dünn ist, aber ich stelle mir bei vielen weiblichen Protagonisten eher eine schlanke Person vor, was ich auch gar nicht schlecht reden will. Jeder kann seinen Charakter so beschreiben wie er möchte und schlank sein heißt ja nichts Schlechtes, das will ich nicht vermitteln. Ich möchte aber viel eher auch nochmal zeigen, dass es eben junge Frauen mit Selbstzweifeln gibt, dass es nicht nur schlanke Protas gibt und sich eben diese trotzdem auch verlieben dürfen. Ich möchte also zu den Menschen „sprechen“, die sich vielleicht nicht immer bei den Liebesgeschichten mit schlanken Protas angesprochen fühlen. Ich möchte sagen, jeder hat sein (Liebes-) Glück verdient und jeder wird es auch bekommen und vielleicht auch wieder verlieren, denn es ist oft ein auf und ab. Ich versuche zu vermitteln, dass die Leser und Leserinnen schmunzeln können, auch wenn es manchmal um so ernste Themen wie Unsicherheiten, Zweifel oder das Gefühl, nicht hübsch genug zu sein, geht. Dass es auch im Unglück das Glück zu finden gibt und auch die kindischsten und kitschigsten Träume irgendwann wahr werden könnten.
Kannst du uns deine Bücher mal kurz vorstellen und erzählen, was deine Leser:innen in ihnen erwartet?
Einen Teil der Themen habe ich eben angesprochen. Es geht um ernste Themen (so auch in meinem neusten mit der Hautfleckenkrankheit Vitiligo), um ein paar Lacher und natürlich die Liebe. So ist in meinem Weihnachtsbuch Schneeengelglück das ernste Thema der Verlust einer besonders wichtigen Person und aber auch Angstprobleme und wie meine Protagonistin wieder anfängt an das so entfernt scheinende Weihnachtsglück zu glauben, neuen Mut zu fassen, die Tränen trocknen zu lassen. In meinem Dinobuch ist es dann vor allem das kindliche Verliebtsein, das die Protagonistin zu überwinden versucht. Und meine neusten beiden Bücher, die zu einer Reihe gehören, haben eben eine junge Frau mit Vitiligo, die nicht nur mit ihrer Weißfleckenkrankheit ein Problem hat, sondern auch mit ihrem Gewicht und zwei Idioten – denn für sie regnet es nur Idioten, keine süßen und ehrlichen Männer.
Ich habe gelesen, dass besonders Märchen dich inspirieren – welches ist denn dein Lieblingsmärchen? Und was magst du so sehr daran?
Ja, Märchen inspirieren mich, denn ich bin mit ihnen großgeworden. Mit der Magie und der Liebe darin und dadurch zu einer Träumerin mutiert. Zu Anfang habe ich selber Märchen geschrieben, mittlerweile sind es Romanzen, die aber auch etwas Träumerisches und vielleicht auch Magisches enthalten (je nachdem, wie man den Begriff der Magie auslegt). Aber mein Lieblingsmärchen: da gibt es zwei. Brüderchen und Schwesterchen. Und Allerleihrauh. Ich kann gar nicht so genau sagen, warum es die beiden sind, aber vielleicht liegt es daran, weil die zwei eher unbekannt und trotzdem magisch-schön sind. Brüderchen und Schwesterchen mochte ich wahrscheinlich schon immer wegen des familiären Zusammenhalts, während das bei Allerleihrauh überhaupt nicht der Fall ist und es da um die Liebe zwischen Prinz und Quasi-Magd geht, was ich als Romantikerin einfach so sehr verwundert habe.
Kannst du uns ein oder zwei deiner Charaktere aus deinen Büchern kurz vorstellen?
Einmal möchte ich gerne den Opa aus Schneeengelglück vorstellen. Er taucht in dieser Geschichte als guter Geist auf und übernimmt eigentlich die Rolle von Jacob Marley aus A Christmas Carol von Charles Dickens. Der Geist, der die folgenden ankündigt und eine wunderbare Rede für seine Enkeltochter hält. Eigentlich sollte das Buch viel länger sein, doch das Format ließ leider nicht mehr zu, aber während ich die anderen Geisterszenen kürzen musste, blieb die mit dem geisterhaften Opa sehr lang, da mir diese Rolle sehr am Herzen lag. Der zweite Charakter ist Astrid aus der it’s raining idiots Reihe. Sie hat Selbstzweifel durch ihren für sie unschönen Körper und die Flecken. Und ich liebe es immer wieder die Namen zu vergeben. Astrid ist der Name aus einer Kinderfilmserienfranchise, welches ich sehr liebe und die sogenannte Person daraus ist eine meiner Lieblingsfiguren. Mir war das Erzählen ihrer Geschichte sehr wichtig, auch weil ich gerne eine Mischung aus Fiktion und Realität schreibe.
Was ihr glaubt, was an meinen Geschichten der Funke Realität ist, das müsst ihr schon selber herausfinden. 😉
Was macht dir am Schreiben am meisten Spaß?
Ich liebe am Schreiben besonders, dass ich dort alles, so ebenso das Ungesagte, raus und freien Lauf lassen kann. In meinen Geschichten kann ich so viel Fantasie haben wie ich will, ich kann meine Gedanken und Gefühle manches Mal ausdrucken und ich kann ein uns andere Mal aus der Realität in die Fiktion fliehen.
Über welche Themen würdest du gerne viel öfter in Büchern lesen?
Wie bereits gesagt, möchte ich mehr über kurvige Protas lesen, Protas, die vielleicht nicht immer total Happy mit ihrem Körper sind, sondern ebenfalls die Schattenseiten aufzeigen. Na ja und wenn ich darin noch nicht so viel finde, dann schreibe ich es halt selber. 🙂
In welches Buch (ein eigenes oder ein „fremdes) würdest du gerne mal eintauchen?
Ich würde in verschiedene fremde Bücher eintauchen wollen. Einmal in meine geliebte Kinderbuchreihe Drachenzähmen leicht gemacht, um auf einem Drachen fliegen zu können und genauso einen zähmen zu dürfen. Ich denke, die ganzen Fantasiebücher wären mit Sicherheit ein wundersames Ausflugsziel. Durch die Märchen würde ich ebenso gerne reisen und am Ende würde ich noch in eine Liebesgeschichte eintauchen, wo ich den Platz von einem anderen Mädchen einnehme und das Liebesglück mich erwartet.
Hast du Vorbilder beim Schreiben oder gibt es eine:n Autor:in den/die du gerne mal treffen würdest?
Simone Elkeles, Ana Katmore und Jennifer Wolf fände ich ziemlich cool, wenn ich eine davon treffen könnte. Da würde ich um Tipps fürs Schreiben und ein Autogramm in einem ihrer Bücher in meinem Regal bitten.
Danke für deine Zeit und das schöne Interview 🙂
Ich habe ganz doll zu danken für die liebe Möglichkeit und ein herzliches Dankeschön auch an die Leser. Vielleicht konnte ich ja euer Interesse für meine Büchlein wecken, es würde mich freuen. 😉 🙂
Mehr über Janchen Märchendrache erfahrt ihr auf Instagram, Lovelybooks, Wattpad und story.one.
