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Interview mit Peter Stacher: „Bücher hängen meist mit meiner persönlichen Lebenssituation zusammen.“

Am 1. Juli erschien Peter Stachers Roman Mit Anlauf ins Ungewisse – ein emotionaler Sommerroman über Liebe,
Freundschaft, Rivalität und Mut, das eigene Leben auch wirklich zu leben.

In unserem Interview habe ich mit ihm über sein Buch Mit Anlauf ins Ungewisse, Mut und das Schreiben an sich gesprochen.

Peter Stacher ist österreichischer Journalist, Autor und Moderator. Er hat neben Lebensratgebern nun auch seinen Debütroman Mit Anlauf ins Ungewisse veröffentlicht. Am wunderschönen Wörthersee lässt er zwei Leben aufeinanderprallen und zeigt, dass der Umgang mit einer Situation oft genauso wichtig ist, wie die Situation selbst. Mit seinen Büchern möchte er Menschen unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und darin, ihren eigenen Weg zu gehen.

Lieber Peter, du bist Autor, Journalist und Moderator, schreibst in verschiedenen Genres und veröffentlichst deine Bücher als Hybridautor im Verlag und im Selfpublishing. Klingt nach einem sehr vielfältigen Berufsleben! Erzähl unseren Leser:innen doch kurz ein wenig über dich.

Ich habe Freude am Schreiben. In welcher Länge, in welchem Genre oder für welches Format auch immer. Ich war schon in jungen Jahren fasziniert davon, Charakteren durchs Schreiben Leben einzuhauchen. Beim Schreiben erschafft man Welten. Es gibt nicht viele Berufe, von denen man das behaupten kann. Wenn diese Welt Leben bekommt, Spannung entwickelt, Emotionen weckt und man sie nicht mehr verlassen will, dann hat man ein gutes Buch geschrieben. Vor meiner Zeit im Journalismus war ich bereits als Regieassistenz beim ORF. Bei dieser Arbeit habe ich schnell bemerkt, dass mich die schreibende Tätigkeit der Redakteure viel mehr interessieren würde. Mein nächster Schritt war daher die Uni Wien am Institut für Kommunikationswissenschaften. Von all den Möglichkeiten, die man mit dieser Ausbildung hat, war für mich immer klar, dass es etwas Schreibendes sein muss. Da aber gar nicht so sehr die langen Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Denn ich bin ein sehr visueller Mensch. Da geht es mir um Bilder. In Büchern versuche ich sie in die Köpfe zu zaubern. In meinen Nachrichtenbeiträgen, die ich recherchiere und gestalte, sind sie das beste Mittel, um News zu vermitteln.

Ich habe aber auch zwei Sachbücher geschrieben. Lebensratgeber. Das hat sich aus zwei Dingen ergeben: aus meiner Lust am Recherchieren und daran, gewissen Dingen auf den Grund zu gehen, sowie aus meinem Eifer, das beste Leben zu leben, das man haben kann. Das versuche ich weiterzugeben. Dabei stütze ich mich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa aus der Sozialpsychologie, ebenso wie auf philosophische Lehren.

Heute geht es vor allem um dein Buch „Mit Anlauf ins Ungewisse“, das du im Selfpublishing veröffentlicht hast. Warum hast du beschlossen, dieses Buch selbst zu veröffentlichen und nicht über einen Verlag?

„Mit Anlauf ins Ungewisse“ ist mein Debütroman. Davor habe ich nur ein Kinderbuch veröffentlicht – ebenfalls im Selfpublishing. Es war eine Geschichte, die sich mir aufgedrängt hat. Mir kommen Einfälle, ich lasse sie lange mit mir mitlaufen. Sie entwickeln sich. Manchmal aber treten sie zur Seite und lassen anderen Ideen Platz. Diese aber wollte nicht weichen. Sie ist bei mir geblieben. Bis ich endlich sagte, ok, ich mach was draus.

Diese Nähe, die ich dazu habe, ist wie eine eigene Beziehung zur Story und zu den Charakteren. Das ist beim ersten Roman überhaupt wie die erste Liebe, das erste Mal Autofahren oder das erste Mal Vanillecremeschnitte. Ihn im Selfpublishing zu veröffentlichen, ist daher eine Gefühlssache. Ich bekomme damit nicht so sehr den Eindruck, die Geschichte aus der Hand geben zu müssen. Sie bleibt weiterhin bei mir.

Mit „Mit Anlauf ins Ungewisse“ hast du einen Roman über Liebe, Neuanfang und den Mut, sich zu verändern, geschrieben. Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem Buch geht?

Wir haben zwei sehr starke Charaktere, die beide aber auf gewisse Art und Weise feststecken. Der eine, Marcus, in seinem bequemen Leben, in dem sein Potenzial Winterschlaf hält. Er glaubt, er hat alles in seinem Leben, doch er übersieht, dass sein Leben an ihm vorbeizieht. Und als es hart auf hart geht, hat er nicht die Kraft, zu tun, was notwendig wäre.

Und dann gibt es Elisa. Sie ist selbstbewusst, klug und hat ihr Leben im Griff… bis auf diese eine Beziehung, von der sie ahnt, dass sie nicht die richtige ist, von der sie aber auch nicht loskommt. Irgendwann müssen sich beide entscheiden, wie sie weiterleben wollen. Und sie müssen sich behaupten gegen Widerstände, die einen Wandel verhindern wollen. Die Geschichte spielt am Wörthersee an Originalschauplätzen und ist genau das Richtige für einen spannenden und unterhaltsamen Sommer.

Wann hast du selbst zuletzt den Mut gefasst und etwas an dir verändert?

Ich verändere mich ständig. Das ist meine Lebensphilosophie. Ich bin offen für Neues und probiere mich gerne aus. Die größte Veränderung in der letzten Zeit aber war, als ich begonnen habe, mich mit dem Stoizismus zu beschäftigen. Die „Selbstbetrachtungen“ von Marcus Aurel vereinen so viele Ratschläge, die heute regelmäßig neu verpackt in klugen Sprüchen in Social Media oder Ratgeberbüchern vorkommen. Es ist geballte Weisheit, die einem ganz neue Sichtweisen geben kann – vor allem darauf, wie man mit sich und seiner Umwelt umgehen kann.

Beschreibe dein Buch bitte mit drei Wörtern.

Liebe. Bewegung. Neuanfang.

Deine zwei Protagonist:innen Marcusus und Elisa kennen sich nur flüchtig, werden durch einen Vorfall aber plötzlich und radikal aus ihren gewohnten Bahnen gerissen. Was tut das mit Menschen, wenn sie sich plötzlich neu erfinden bzw. neu kennenlernen müssen?

Am Anfang ist es, als würde man in einer Sackgasse landen. Weil der gewohnte Weg ein Ende nimmt. Man denkt, man steht vor dem Aus. Erst nach und nach erkennt man die neuen Möglichkeiten, die sich bieten, wenn man sich neu auf sich selbst einlässt. Wenn man den Wandel akzeptiert und ihn als Chance begreift, etwas ganz Neues zu machen und einen neuen Weg zu gehen. Ich selbst halte das ja für die spannendsten Momente im Leben, wenn der Trott endet. Das ist, als würde man eine neue Stadt besichtigen. Jede kleine Gasse bietet zuvor Ungesehenes. Man muss sie erkunden und sie für sich erschließen. Man hätte vieles nicht gesehen, wenn man davor zurückgeschreckt wäre. Reagiert man mit Ausweichen und sucht im Altbekannten einen sicheren Hafen, wird man schnell bemerken, dass der nicht mehr der richtige Ort für einen ist. Sonst müsste man sich ja nicht neu erfinden. Dazu vom Leben gedrängt zu werden ist sinnvoll. Es zwingt einen dazu, sich weiterzuentwickeln.

Als Journalist befasst du dich tagtäglich mit dem politischen Weltgeschehen, als Autor schreibst du deine Geschichten selbst. Sind deine beiden Tätigkeiten für dich ein Widerspruch oder eher eine Ergänzung? Und was nimmst du für dich daraus mit?

Privat zu schreiben und meine eigenen Gedanken niederschreiben zu können, ist ein absoluter Ausgleich zu meiner Profession. Ich schreibe gerne. Daher kann ich es auch in meiner Freizeit nicht lassen. Auch wenn man glauben könnte, ich müsste irgendwann genug davon haben. Irgendwie nicht. Im Gegenteil: Meinen kurzen journalistischen Texten gehen lange Recherchen voraus, die Fakten werden dreimal überprüft, und sehr genaues Arbeiten ist erforderlich. Im Gegensatz dazu ist es für mich entspannend, beim privaten Schreiben nach Belieben meinen Gedanken nachzugehen und sie zu Papier zu bringen. Natürlich sind etwa bei den Lebensratgebern die Inhalte ebenso überprüft. Doch hier kann ich auch meine eigene Erfahrung und auch Meinung einfließen lassen. Was in den Nachrichten nicht geht. Romane haben zusätzlich den Vorteil für die Belohnungsregionen meines Hirns, dass ich selbst lenken kann, wohin die Reise geht. Mein Kopf lohnt es mir, indem er mir laufend neue Ideen und Handlungsstränge vorlegt, die sich während des Schreibens manchmal wie von selbst zu ergeben scheinen.

Roman, Ratgeber, Kinderbuch – du schreibst in verschiedenen Genres und zu unterschiedlichsten Themen. Wie kommen dir die Ideen zu deinen Büchern?

Die Bücher hängen meist mit meiner persönlichen Lebenssituation zusammen. Das Kinderbuch habe ich geschrieben, als mein Sohn noch klein war. Die Ratgeber sind nach herausfordernden Zeiten entstanden, die ich bewältigen musste. Ich denke sehr viel über Lebensbewältigungsmechanismen nach. Ich lese auch viel dazu. Gute Anregungen notiere ich mir genauso wie Einfälle, die ich oft während des Laufens oder auch am Abend vor dem Einschlafen habe. Ich habe einen Berg an Notizen über dies und jenes. Und manches fließt dann auch in ein Buch ein. Bei den Romanen ist es ähnlich. Ideen für Bücher habe ich viele. Nur ein Teil davon hat nach meiner Einschätzung das Potenzial, zu einer ausführlichen Geschichte ausgearbeitet zu werden. Meine eigene Überzeugung gibt mir hier den Weg vor. Passt der Stoff, kann ich irgendwann nicht mehr anders, als mich näher damit zu beschäftigen. Es gibt aber auch dutzende Romanseiten, die nie fertiggestellt werden, weil der Gehalt der Story sich erschöpft hat, bevor sie fertigerzählt war. Diese Seiten zähle ich dann zum Bereich Training.

Du hast Bücher sowohl mit Verlag als auch im Selfpublishing veröffentlicht und kennst die Unterschiede somit hautnah. Was spricht für dich für eine Verlagsveröffentlichung, was fürs Selfpublishing?

Ich bin froh, dass es die Möglichkeit des Selfpublishing gibt. Früher war man ohne Alternative abhängig davon, ob das eigene Buch ins Programm eines Verlages gepasst hat, ob der Verlag es für gut befunden hat und auch jungen Autoren eine Chance gegeben hat. Beispiele wie die vielen Ablehnungen für Bücher wie Harry Potter sprechen für sich. Hat man damals keinen Verlag gefunden, ist ein ausgedrucktes Exemplar in der Schreibtischlade verstaubt, ohne dass es je jemand zu Gesicht bekommen hätte. Jetzt ist das ganz anders. Viele selbstveröffentlichte Bücher werden zu Bestsellern. Die Leserinnen und Leser entscheiden selbst, ob ihnen Plot und  Erzählweise gefallen, ohne dass das Buch vorher durch den Filter der Verlage gehen musste. Das gibt mehr Freiheit am Büchermarkt. Für die Autorinnen und Autoren und auch für die Leserinnen und Leser.
Natürlich ist der Vorteil eines Verlages die Sichtbarkeit. Weil das System der Entwicklung hinterherhinkt. In den Buchgeschäften landen ausschließlich Bücher von Verlagen. In den großen Medien werden nur Rezensionen von Verlagsveröffentlichungen geschrieben. Da kann man froh sein, wenn es Buchbloggerinnen wie dich gibt, die mutig genug sind, sich auch Neues anzusehen, das nicht schon von Verlagen vorausgesucht wurde.

Danke, das freut mich sehr. Ich bin immer auf der Suche nach spannenden, neuen Geschichten, die außerhalb vom Mainstream liegen. Das führt mich zu meiner nächsten Frage: Wie entwickelt sich deiner Meinung nach Selfpublishing in Österreich?

Es entwickelt sich sehr gut. Immer mehr haben den Mut, im Selfpublishing zu veröffentlichen. Was noch fehlt, ist, dass das System mitzieht und gute selbstveröffentlichte Bücher den gleichen Stellenwert bekommen wie Bücher, die von Verlagen kommen. Ich glaube, das Problem ist die Übersichtlichkeit. Auf dem österreichischen Buchmarkt erscheinen pro Jahr, einschließlich der Titel aus Deutschland und der Übersetzungen aus aller Welt, rund  90.000 Bücher. Das ist schon eine ganze Menge. Die Schätzungen für Selfpublishing-Projekte liegen bei 100.000 Büchern. Das ist mittlerweile mehr als im traditionellen Bereich. Ich denke, das überfordert die Händler.

Wenn du heute als Autor noch einmal bei null beginnen müsstest, welche drei Dinge würdest du anders machen?

Ich bin froh, nicht bei null beginnen zu müssen. Denn man muss sich bewusst sein – man kann nur besser werden. Es dauert Jahre, bis man seinen Stil entwickelt hat, bis man so rein und gleichzeitig frech schreiben kann, dass man selbst damit zufrieden ist. Auch bis die Schreibarbeit selbst einen Fluss entwickelt, der einen zügig voranbringt, sind viele Schreibkilometer nötig. Und alles, was ich bisher geschrieben habe, ob gut oder nicht, hat mich selbst weitergebracht. In meinen Ansichten über das Schreiben und meine Themen, in meinem Stil, in meiner Selbstwirksamkeit. Wenn ich daher noch einmal am Anfang stünde, würde ich noch mehr schreiben, ohne mich darum zu kümmern, ob es jemand lesen will. Als Trainingseinheit. Und vielleicht würde ich das eine oder andere unfertige Manuskript noch einmal durchdenken und doch noch weiterführen. Das kann ich aber ja immer noch.

Wenn wir dieses Gespräch in fünf Jahren noch einmal führen, was willst du sowohl als Autor als auch als Journalist gerne bis dahin erreichen?

Die Zeit verfliegt beim Schreiben. Und als Journalist ist es genauso. Fünf Jahre sind daher eine gar nicht so lange Zeit. Derzeit bin ich da, wo ich sein will. Ich berichte von spannenden Entwicklungen in der Politik und erfahre dabei viele geplante politische Entscheidungen aus erster Hand. Die an die Seher und Seherinnen der Zeit im Bild weitergeben zu können, erfüllt mich in höchstem Maße. Ich arbeite gern im Regierungsviertel in der Inneren Stadt und bin immer wieder neugierig, was im Parlament geschieht. Als Autor arbeite ich derzeit an zwei Buchprojekten: an einem Jugendroman und an einem weiteren Lebensratgeber, der wieder genau meine aktuelle Lebensphase behandelt: Das Leben zu führen, das für einen selbst das richtige und beste ist. Das will ich weitergeben. Ich hoffe daher, in fünf Jahren über diese Bücher sprechen zu können – darüber, wie sie den Leserinnen und Lesern gefallen haben und was sie für sich daraus ziehen konnten.

Möchtest du noch etwas ansprechen, was unser Interview nicht abgedeckt hat?

Das Leben bietet uns viele Möglichkeiten, uns selbst zu entfalten. Ich wollte mit den Einblicken in meine Beweggründe fürs Schreiben und in meinen Umgang damit zeigen, wie viel Spaß es macht, sich zu verwirklichen und das zu tun, was man gerne macht. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Auf jeden Fall, ich denke, meine Leserinnen und Leser werden viel Freude an deinen Einblicken und Gedanken haben. Danke für das Interview 😊

Mehr über Peter Stacher, sein Leben und seine Bücher erfahrt ihr unter stacher.eu/.

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