Allgemein, Hot Topic: Selfpublishing

9 Fragen an Selfpublisherin Kris Felti

Kris Felti ist Selfpublisherin und schreibt Lyrik und Kinderbücher. Auf ihrer Homepage krisfelti-buch-und-lyrik.com erfahrt ihr mehr über die Autorin, die bereits als Teenager begann, zu schreiben, und dies bis heute tut und liebt. Außerdem findet ihr sie auf Instagram, wo sie ihre Follower mit nimmt in ihre Welt der Bücher.

Ich habe die ruhige, sympathische Autorin über ihre Bücher und das Selfpublishing interviewt und wünsche euch viel Spaß beim Lesen unseres Interviews.

Über ihre Bücher und das Selfpublishing

Du bist Selfpublisherin und gerade ist dein neuester Gedichtband „Da sind Lieder in mir“ erschienen, gratuliere! Wie war für dich die Entwicklung und Veröffentlichung deines Buchs?

Da ich bereits 2020 meine ersten zwei Bücher im Selfpublishing veröffentlicht habe, und zwei weitere Bücher 2021 folgten, konnte ich Erfahrungen sammeln. Klar, schleichen sich hier und da noch Fehler ein. Aber der Prozess an sich ist klar. Für meinen Gedichtband habe ich überlegt, wie ich diesen mit Illustrationen auflockern kann. Ich kam ich auf die Idee, Kinderzeichnungen meines jüngsten Kindes, das mittlerweile 22 Jahre alt ist, digital zu bearbeiten und zu nutzen. Die Sicht eines Kindes auf unsere Welt ist so erstaunlich und detailliert. Ich hatte viel Spaß, aus den gefühlt tausenden von Bildern aus ihrer Kindergartenzeit einige herauszusuchen und mithilfe meines Tablets nachzukolorieren. Nachdem ich die Zeichnungen im Gedichtband verteilt hatte, konnte ich den Buchblock abschließen. Die Veröffentlichung über Tredition GmBH ist fast ein Kinderspiel: Das Tool zur Bearbeitung und Veröffentlichung eines Buchprojekts ist intuitiv bedienbar. Besonders hervorzuheben ist, dass auch das Cover mithilfe des Coverdesigners selbst erstellt werden kann. Die Zusammenarbeit mit dem Support von Tredition (hier möchte ich ganz besonders Jacqueline Stumpf nennen) ist herzlich und sehr zuvorkommend. Besser geht es nicht.

Wie fiel die Entscheidung, deine Bücher im Selfpublishing zu veröffentlichen und welche Herausforderungen sind dir bisher als Selfpublisherin begegnet?

Zuerst dachte ich, dass es nur Sinn macht, über einen Verlag zu veröffentlichen. Denn wer gut ist, findet einen Verlag. Wer nicht gut ist, ergo keinen Verlag findet, sollte nicht schreiben. Ich weiß, das klingt sehr brutal. Aber diese Blauäugigkeit leisten sich Anfänger. Ich habe einen Kleinstverlag gefunden, der meine Werke drucken wollte und war glücklich. Doch schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass es sich um drei Autoren handelte, die sich (ich bitte um Entschuldigung) anmaßen, mit dem Know how eines Verlages aufwarten zu können. Ich drücke mich so drastisch aus, weil die Veröffentlichung meiner ersten beiden Bücher eine Katastrophe waren. Ich war daher froh, schadlos aus den Verträgen auszusteigen, nahm mir eine Lektorin und einen Coverdesigner, für die ich selbstverständlich bezahlen musste, und veröffentlichte die beiden Bücher neu. Es war noch nicht perfekt, aber besser. Nun, nach knapp zwei Jahren, habe ich den Gedichtband „Du bist mein Ich – Sehnsucht“ erfolgreich überarbeitet und veröffentlicht. Das „Gänseblümchen“ befindet sich auf der Schlussgeraden.

Die Herausforderungen für das Selfpublishing sind vielfältig. Angefangen von einem guten Lektorat, das bezahlt sein will, muss das Buch irgendwie vermarktet werden. Zwar veröffentlicht Tredition auf vielen Online-Plattformen die Buchvorstellung. Aber das reicht natürlich nicht. Ich bin sehr schüchtern, sodass Buchmessen und Lesungen überhaupt nicht meins sind. Wenn ich einen Verlag finden würde, der meine Bücher gern verlegt und sich auch um die Vermarktung kümmert, würde ich schon überlegen, einen Vertrag einzugehen. Jedoch würde ich nie wieder mit einem Verlag zusammenarbeiten, der zwar an den Verkäufen meiner Bücher verdient, sich aber nicht wirklich um mich als Autor und um meine Bücher kümmert.

Für mich kann ich nach den vergangenen zwei Jahren feststellen, dass Selfpublishing zwar noch immer mit dem Makel behaftet ist, unprofessionell zu sein (das haben mir Bibliotheken zu verstehen gegeben, die schon aus Prinzip keine Selfpublisher listen), aber mit der notwendigen Erfahrung und in Zusammenarbeit mit Lektoraten und Korrektoraten, eine sehr gute Alternative zu Kleinstverlagen darstellt. Wer an sich und seine Arbeit glaubt, sollte nicht abwarten, bis ein Publikumsverlag an die Tür klopft. Das passiert vermutlich nur in sehr seltenen Fällen. Heute ist es möglich, professionelle Arbeit abzuliefern, indem man sich z. B. an einen Selfpublisher-Verlag, wie Tredition wendet, um völlig kostenlos seine Buchprojekte zu verwirklichen.

Die Themen ihrer Bücher

Du schreibst Kinderbücher und Lyrikbände, was fasziniert dich an diesen beiden Genres?

Ich liebe es Kinderbücher und Lyrik zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich bediene mich dabei einer sehr gefühlvollen Schreibweise, gewürzt mit Fantasie. Kindern die Welt zu erklären, ohne den sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger, liegt mir am Herzen. Kinder haben, wie ich eingangs sagte, einen besonderen Blick auf unsere Welt. Unsere Aufgabe ist es, sie in ihren Träumen und Fantasien zu bestärken und mit ihnen auf die Reise zu gehen. Kinder haben ein Recht auf Märchen und wundervolle Geschichten. Ihnen dabei die Werte Menschlichkeit, Liebe, Vertrauen und Hoffnung zu vermitteln, ist mein Anliegen.

Meine Gedichte und Poesie sind meine andere Leidenschaft. Manchmal überkommen mich Gefühle, die ich in Worte fassen möchte. Es kann Liebe sein, Sehnsucht, Angst oder gar Zorn. Um mit diesen Gefühlen klar zu kommen, sie zu verkraften, gehe ich tief in mich. Es ist meine Art, mich diesen Gefühlen zu stellen.

Welche Themen behandelst du in deinen Büchern?

Meine Bücher behandeln die Themen Liebe, Menschlichkeit, Anderssein, Migration.

Ich habe mit meinem Kinderbuch „Gänseblümchen und ihre außergewöhnlichen Freunde“ begonnen. Darin erzähle ich die Geschichte eines kleinen Mädchens, das anders ist als gleichaltrige Kinder, weil es sehr spät zu sprechen beginnt, und weil es sich vor der lauten Welt um sie herum fürchtet. Sie verbringt ihre Zeit lieber in ihrer kleinen Welt, mit den Tieren des Gartens, den Bäumen dem Fluss. Sie versteht deren Sprache und fühlt sich von ihnen verstanden. Meine Intention war es, Kindern zu sagen: „Ganz egal, ob du anders bist. Du bist perfekt.“ Denn jedes Kind hat seine Stärken. Manchmal muss man nur etwas näher hinschauen. Da ich von Lesern weiß, dass das Buch auch für Erwachsene eine schöne Reise ist, möchte ich den Eltern Mut machen.

Mein zweites Kinderbuch „Gerry Christmas, ein Marienkäfer am Nordpol“ erzählt die Geschichte von Gerry, dessen Eltern ursprünglich aus dem fernen Ägypten stammen. Gerry ist jedoch am Nordpol geboren wurden und mittlerweile der alte Lehrer in Weihnachtsstadt. Er denkt an seine Kindheit zurück, an Freundschaften, die er geschlossen hat. Mit diesem Buch lernen Kinder die Migration auf eine sehr sanfte Weise kennen. Gerry ist anders als die Elfen und Wichtel in Weihnachtsstadt. Und trotzdem gehört er dazu. Ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig erfahren die Kinder, weshalb seine Eltern und Großvater Ibrahim Ägypten verließen.

Mein erster Gedichtband „Du bist mein Ich – Sehnsucht“ beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Liebe und Natur. Die Liebe zu seinem Partner, die Liebe zum Kind, die Liebe zur Zwillingsschwester (Gedicht „Du bist mein Ich“). Die meisten Gedichte schrieb ich sowohl in deutscher, als auch in englischer Sprache. Ich muss jedoch darauf hinweisen, dass mein Englisch durchschnittlich ist. Der Liebste, für den die Gedichte bestimmt waren, stammt aus Ägypten. Wir verständigen uns in englischer Sprache 😉

Mein zweiter Gedichtband „Sing with me, beyond national borders“ ist ein Projekt, an dem sich insgesamt 21 Poeten aus aller Welt beteiligten. Autoren aus Bosnien-Herzegowina, Myanmar, USA, Bangladesh, Irland, Cameroon, Niederlande, Puerto Rico, Rumänien, Polen, Algerien, Sierra Leone, Bhutan, Indien und Mazedonien sandten mir ihre Werke in englischer Sprache, die ich unter „Kris Felti & friends“ über Tredition veröffentlichte. Das Cover dazu stammte von Renee Rott, Dream Design Cover and Art.

Im dritten Gedichtband „Da sind Lieder in mir, Lieder auf Papier“ habe ich sowohl Gedichte aus meinem ersten Gedichtband, als auch neue Arbeiten verwendet. Die Pandemie, der Krieg in der Ukraine, der Zusammenhalt der Menschen, aber auch der Egoismus einiger Zeitgenossen, habe mich inspiriert.

Illustrationen und Zusammenarbeiten

Für einige deiner Bücher arbeitest du mit einer Illustratorin zusammen, wie schaut eure Zusammenarbeit aus?

Die erste Kontaktaufnahme mit Ishika ging von ihr aus. Sie schrieb mir über Facebook und fragte, ob ich eine Illustratorin brauchen würde. Wir waren uns schnell über den Preis einig. Ich habe keinen großen finanziellen Background, sodass ich mir hiesige Illustratoren nicht leisten kann. Als nächstes fragte Ishika mich, wie ich mir die Illustrationen vorstellte und was sie zeichnen sollte. Der Austausch erfolgte dabei über E-Mail in englischer Sprache. Bereits nach kurzer Zeit erhielt ich die Zeichnungen zur Abstimmung. Daraus machte sie wundervolle Illustrationen. Für mein „Gänseblümchen“, dessen Illustrationen ich selbst anfertigte, sind die Illustrationen für die Neuauflage des Buches bereits in Arbeit.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis in Bezug auf deine Arbeit als Autorin und/oder Selfpublisherin?

Das schönste Erlebnis war die Zusammenarbeit mit den Autoren aus aller Welt. Es hat mir gezeigt, wie klein unsere große Welt sein kann und wie einfach es ist, sich zu verständigen. Autoren aus verschiedensten Ländern sprechen in einer Sprache. In meinem Fall in Englisch.

Ich habe meine beiden Kinderbücher als Hörbuch vertonen lassen. Das „Gänseblümchen“ im Hörbuch Tonstudio Berlin, und den „Gerry“ im Tonstudio Schloß Seefeld. Die österreichische Schauspielerin Michaela Kis spricht das Gänseblümchen mit einer so wandlungsfähigen Stimme, das ich verzaubert war. Ohne das Projekt hätte ich Michaela nicht kennengelernt. Den Gerry hat der bekannte deutsche Schauspieler Johannes Steck gelesen. Vorher hatte ich Udo Schenk („Die Abenteuer des Werner Holt“, ein Film aus dem Jahr 1965) kontaktiert. Seine Stimme ist der Wahnsinn. Aber zum Glück (leider für mich) ist er noch immer sehr gefragt und konnte den Auftrag nicht annehmen. Er teilte mir jedoch mit, dass er das Buch gelesen habe und es ihm sehr gefiel.

Das ist übrigens auch der Vorteil bei Tredition. Alle Rechte bleiben beim Autor. Ich kann meine Bücher gleichzeitig an anderer Stelle veröffentlichen oder Hörbücher produzieren lassen.

Community und Werbung

Wir haben uns über Instagram kennengelernt, wo es eine sehr große Buch-Community gibt. Welche Rolle spielen soziale Medien für dich?

Die sozialen Medien sind für mich die einzige Möglichkeit, auf mich aufmerksam zu machen. Ich habe Zeitungen angeschrieben, Ihnen Pressemitteilungen zu meinen Büchern geschickt. Aber da ist kein Interesse vorhanden. So versuche ich in Facebook und Instagram Bekanntheit zu erlangen, was bei der Fülle an Angeboten aber auch nicht leicht ist. Aber wie du siehst, habe ich dich gefunden und darf dir von mir erzählen. Das ist doch wunderbar. Außerdem partizipiere ich auch von den Erfahrungen anderer Autoren.

Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten, Werbung zu machen. Wie bewirbst du deine Bücher?

Wie ich bereits erzählte, versuche ich meine Bücher über die sozialen Medien zu bewerben. Ich habe auch schon Geld bei Facebook für die Werbung ausgegeben. Das war aber nicht erfolgreich. Die ersten vier Bücher haben ich an jeweils etwa 10 Bibliotheken geschickt. Außerdem habe ich die Hörbücher zu den zwei Kinderbüchern an verschiedene Einrichtungen verschenkt. Für andere Werbemaßnahmen fehlt mir das nötige Geld.

Was hättest du aus jetziger Sicht zu Beginn deiner Autorenkarriere gerne schon gewusst?

Ich schreibe für mein Leben gern. Bereits in frühester Jugend habe ich damit begonnen. Hätte ich gewusst, dass die Veröffentlichung als Selfpublisher kein Hexenwerk ist, hätte ich viel früher damit begonnen. Die Erfahrung mit dem „Kleinst-Verlag“ holte mich zwar auf den Boden der Tatsachen zurück, war aber eine heilende Erfahrung, die ich gern an alle Neu-Autoren weitergeben möchte. Wichtigste Erfahrung: Ohne einen sehr guten Lektor geht es nicht! Was mich bis heute ein wenig traurig macht: Jeder Autor kämpft für sich. Da ist nicht wirklich ein Miteinander, eine Freude füreinander. Ich habe feststellen müssen, dass der Konkurrenzgedanke sehr groß ist. Außerdem weiß ich erst seit meinem Autoren-Dasein, dass es nicht immer die Qualität ist, die einen Bestseller-Autor ausmacht. Wer mit dem Main stream schwimmt und  „am laufenden Band produziert“, bleibt. Masse statt Klasse.  Das hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Und ehrlich: Würde ich das Schreiben nicht als meine große Leidenschaft sehen, würde ich nicht schreiben, nur weil ich schreiben will, sondern, weil ich daran verdienen möchte oder Berühmtheit erlangen, ich hätte es abgehakt.

Aber Schreiben ist meine große Liebe. Schreiben ist meine Natur. In meiner Schüchternheit bin ich kaum in der Lage, mich vor größeren Menschenansammlungen auszudrücken, ohne errötend im Erdboden versinken zu wollen. Es ist für mich die einzige Möglichkeit, mich auszudrücken.

Ganz vielen Dank für das schöne, spannende Interview 😊

Ich danke dir sehr.

5 Gedanken zu „9 Fragen an Selfpublisherin Kris Felti“

  1. Ein schöner Beitrag. Ich wünsche viel Erfolg, aber wie Sie selbst schon sagen: vor allem viel Liebe beim Schreiben. Nicht jeder Schatz wird gehoben, zwar, doch ein Schatz bleibt es dennoch. Alles Liebe!

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s