Julia Burgstaller liebt und lebt Sprache – das wurde mir schnell klar, als ich sie im Februar 2026 kennenlernte. Ihr Leben ist geprägt von Linguistik, Lehre, Büchern, Reisen, Meer, Segeln und Geschichten – um nur einige Punkte zu nennen, mit denen sich Julia tagtäglich voller Leidenschaft beschäftigt. Sie reist auf ihrem Segelkatamaran um die Welt und schreibt Geschichte(n). Ursprünglich aus dem Tourismus stammend, und mit einer großen Liebe für Linguistik und Literatur, verbindet sie diese drei Elemente und bietet auf ihrem Segelkatamaran Schreib-Retreats an.

Ursprünglich aus dem Tourismus stammend, und mit einer großen Liebe für Linguistik und Literatur, verbindet sie diese drei Elemente und bietet auf ihrem Segelkatamaran Schreib-Retreats an.
Aktuell hält sie sich in Sizilien auf, ihr nächstes Ziel ist entweder Sardinien oder Neapel – je nachdem, wohin der Wind sie trägt. Auf lange Sicht möchte Julia über den Atlantik reisen.
Nun habe ich sie für meinen Blog interviewt – im Interview verrät sie mir unter anderem mehr über ihre Liebe zur Sprache, das Leben auf einem Segelkatamaran und ihre Schreib-Retreats.
Wunderbar, liebe Julia! Freut mich, dass du heute dein oder unser Interview mit mir machst.
Das freut mich auch.
Meine erste Frage: Stell dich doch bitte kurz vor, wer bist du? Was verbindet dich mit Geschichten, Sprache und Literatur?
Ich bin eine Perpetual Traveler, eine dauerhaft reisende Person, ich wohne auf einem Segelkatamaran und komme aus dem Tourismus und der Linguistik und der Literatur gleichermaßen. Davor war ich im Tourismus, habe damit schon viele Sprachen geübt und war Reiseleiterin und dann auf der Uni gab’s ein Sprach- und Literaturstudium und das kann ich alles wunderbar miteinander verbinden. Das macht auch den Perspektivenwechsel aus.
Wo man dann auch viel Input von außen bekommt, wenn man permanent woanders ist und neue Kulturen und neue Leute kennen lernt, neue Orte.
Absolut und das Ganze ist immer mit Sprache verbunden – Fremdsprache und auch die eigene, und auch die Körpersprache, die ja überall anders ist.
Du lebst auf deinem Segelboot und du bietest dort Schreib-Retreats an, soweit ich das mitbekommen habe. Du hast also einen Raum geschaffen, der Schreiben, Reisen, persönliche Entwicklung miteinander verbindet – wie ist dir die Idee dazu gekommen?
Es war fast eine logische Konsequenz. Es ist wunderschön, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Also die Bauphase, Baustelle war natürlich eine ganz andere Atmosphäre, aber das ist eine tolle Sache, dass wir gemeinsam reisen und schreiben können, mit Leuten, die das interessiert. Und so hat sich das dann ergeben – schon auch durch Kolleginnen und Kollegen, die in der Schweiz Ähnliches machen.
Oh, das ist cool, ja, da kann man sich dann ein bisschen austauschen, wie das bei den anderen so ist.
Absolut. Und da ich selber lang unterwegs war in der Erwachsenenbildung. Zu sehen, wie sich Menschen entwickeln und dass Menschen etwas entwickeln oder gemeinsam etwas entwickeln, da habe ich von meinen Studierenden auch immer viel dazu gelernt. Das ist wunderschön.
Lernen ist wie Reisen, man entwickelt sich weiter und das kombiniert ist dann natürlich perfekt.
Das glaube ich. Reisen ist ja auch Lernen, weil man immer wieder Neues entdeckt. Und das bringt mich zu meiner nächsten Frage: Du reist, aber du liest und schreibst auch sehr viel und deshalb wollte ich dich fragen: Was bedeutet dir mehr? Das Lesen oder das Schreiben, oder gibt es da überhaupt einen Unterschied für dich?
Das ist eine gute Frage, ich glaube, das eine geht ohne das andere nicht. Also lesen geht ohne schreiben natürlich, gar keine Frage, aber umgekehrt, schreiben ohne lesen wäre schwierig. Aber momentan ist mir die Kombination auf dem Segelboot wirklich sehr recht.
Das führt mich auch schon ein bisschen zu meiner nächsten Frage. Was inspiriert dich jetzt nicht nur fürs Schreiben, sondern auch zum Beispiel für deine schreib Retreats und für dein ganzes Angebot? Das ist ja doch sehr vielfältig.
Immer die andere Perspektive. Gerade die ist interessant. Das sind zum Beispiel die Leute, die ein perfekte Leben führen, aber sich in einer Opferrolle befinden und da nicht rauskommen. Das geht mit fast jeder Situation. Und die Schreib-Retreats, ich versuche die Erfahrungen aus dem Studium da rein fließen zu lassen. Und aus dem Tourismus, Ich mag die Tourismus-Arbeit sehr gerne, ich koche gerne, ich habe unglaublich gerne, wenn sich Gäste wohl fühlen, weil sie z.B. eine schöne Bettwäsche haben. Und die Verbindung ist einfach praktisch, auch für die Gäste, das ist auch für die Gäste angenehm, eintauchen zu können ist diese kleine Welt. Isoliert, da können sie mal ins Wasser springen und mir jederzeit irgendwelche Fragen stellen und reflektieren über ihre Geschichte, oder was sie beschäftigt.
Ja das kann ich mir gut vorstellen, dass man auch einfach so seine Geschichte vielleicht auch selber einfach neu entdecken kann und schauen kann was wie entwickelt sich das und wie? Wird das in welche Richtung geht das? Wem würdest du deine Schreib-Retreats empfehlen? Also besonders empfehlen. Schreibanfänger, junge Autoren, Menschen, die schon ganz viel geschrieben haben?
Die Art des Textes und das Schreiblevel ist nicht ausschlaggebend, denn jeder schreibt was anderes. Wichtig ist, dass die Personen die abenteuerlustig ist, also dass sie auch mit der Situation umgehen kann. Das ist kein standardisierter Urlaub und jede Stunde, jede halbe Stunde, ist durchgeplant – das hat seine Vorteile, das habe ich damals als Reiseleiterin erleben können, aber das ist was anderes. Weil wir vom Wetter abhängig sind, vom Wind als Segelschiff. Das ist wichtig. Dass eine Person sich vorstellen kann, sich in einem familiären Raum zu befinden. Wir sind da alle zusammen auf dem Schiff – ich, mein Mann, der sich vor allem um die technische Seite vom Schiff kümmert, sich zwar zurückhält, aber logischerweise auch da ist. Das ist die Grundvoraussetzung: Lust aufs Meer, Lust aufs Unterwegssein. Damit umgehen könne, dass der Plan grob steht, aber dass man mal in die eine Ortschaft kommt und nicht in die andere. Bei allen, die bisher da waren, war es viel mehr, als geplant war. Das war geballte Ladung, weil was anderes oft dabei war. Genau die Überraschung inspiriert ja auch. Manche brauchen natürlich ihren Plan, was ja auch total okay ist.
Es ist ja eben auch eine also, eine Zielgruppe einfach, die das toll findet und die das dann, für die das was bringt. Wenn man jemand ist, der eine komplett klare Struktur braucht, dann ist es halt einfach nicht sein Ding, aber das macht ja nichts. Also von daher. Cool!
Genau, ich hatte eine Person, die hat sich eingeschrieben, die hat gesagt, sie braucht ihre Ruhe. Super! Die haben wir in Ruhe gelassen. Eine Person, die hat mehr Fragen gestellt, eine Person, die hat wiederum mehr Ideen gesammelt, als geschrieben. Die war unheimlich zufrieden mit ihrem Buch, aber hat mehr Notizen gemacht – und so kann das sehr individuell gestaltet werden.
Dann erübrigt sich vielleicht…, oder vielleicht kannst du es doch beantworten: Wie sieht für dich dein oder deine ideale:r Teilnehmer oder Teilnehmerin aus? Ideal oder, vielleicht was man irgendwie mitbringen muss, um eine tolle Zeit bei dir zu haben?
Spontanität habe ich bereits erwähnt, und eine Person, die auch mit ein bisschen einfacheren Verhältnissen auskommt. Ich kann hier am Schiff nicht eine Stunde unter der heißen Dusche stehen. Wir haben wahnsinnigen Luxus, verglichen mit anderen Schiffen – wir haben heißes Wasser und einen Induktionsherd, nur kann ich nicht eine halbe Stunde das Wasser laufen lassen. Es ist ein bisschen einfacher alles. Logisch: Pumptoilette, die auch nicht von Hand gepumpt werden muss, sondern rein elektrisch. Es ist für ein Schiff toll, aber…
Wenn man ein Hotel gewöhnt ist, ist es einfach was anderes.
Genau. Das ist wichtiger als wie ich schreibe, was ich schreibe. Wir haben jüngere Leute da, vor dem Karrierestart, klassisch. Aber auch Menschen, die die Pension jetzt nützen, um endlich die Geschichten zu schreiben, die sie immer schon schreiben wollten.
Ganz verschieden, schön. Dann eine Frage: Ich glaube, viele Menschen haben Geschichten im Kopf, überlegen, würden gerne was schreiben, wissen aber nicht so ganz, wie sie anfangen sollen. Was würdest du so jemandem raten? Wenn man dasitzt: ich habe noch wie geschrieben, wie mache ich das überhaupt?
Wie mache ich das überhaupt? Da gibt’s natürlich verschiedene Methoden, etwas ganz Einfaches wäre: ich beschreibe ganz exakt meine Umgebung – was hörst du, was riechst du, was siehst du, was fühlst du? Da ist schon mal viel erledigt, weil viele Szenen sind nichts anderes.
Dann drehe ich es vielleicht um und frage mich, wie es für die Person neben mir, die vielleicht in einem Kaffeehaus sitzt, was die hört und sieht.
Klingt cool. Ich denke, da gibt es ja unheimlich viele Möglichkeiten, wie man anfangen kann. Das ist keine Frage, die man so mit einem Satz beantworten kann.
Wichtig ist, dass sich die Person bewusst macht: das liest eh niemand. Das ist erstmal wurscht.
Wir haben am Anfang meist das Problem, dass wir perfekte Sätze schreiben wollen. Aber Rechtschreibung und Formfehler – das ist so egal. Schreib einfach.
Das ist wurscht. Du kannst es x-mal korrigieren. Oder wieder löschen.
Schreibe deine Gedanken auf. „Heute geht es mir besonders mies, weil…“ Die können böse sein, es ist ganz egal. Meistens sind das Dinge, für die wir uns schämen – dann schrieben wir sie auf und merken, das ist doch gar nicht so schlimm. Es ist oft etwas, was viele Menschen berührt oder beschäftigt.
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. So ein bisschen also nicht wie ein Tagebuch aber einfach so dieses Gefühl aufschreiben und schauen. Wie geht es einem und was tut sich eigentlich in einem drin? Weil, da kann man wahrscheinlich am besten anfangen – bei den eigenen Befindlichkeiten.
Absolut. Ich habe schon so angefangen, ich hätte jemanden gebraucht, und es war keiner da, also habe ich zur Schreibmaschine gegriffen. Das war richtig cool, auf der Schreibmaschine zu schreiben. Und da habe ich los geschrieben.
Schön stelle ich mir auch voll nett vor, so da zu sitzen und…
Das war nicht als Übung gedacht, ursprünglich. Aber mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass alles irgendwie Übung ist.
Man fängt oft aus einem anderen Grund an und merkt dann: oh, das hat das und das bewirkt. Wie sieht ein klassischer Tag bei einem deiner Schreib Retreats aus?
Ausschlafen, Kaffee oder Tee trinken, an den Laptop setzen, die ersten Gedanken niederschreiben. Vielleicht Brainstorming machen, vielleicht mir irgendwelche Fragen stellen. Dann wird’s langsam warm werden, ins Wasser springen, Lunch einnehmen, oder es gab vorher schon ein Frühstück, Geschmackssache. Dann eventuell auch an Land, und dort mit dem Laptop weiterschreiben und wieder zurück. Vielleicht ein Kaffee, wobei, das wäre dann schon der dritte Kaffee. Dann irgendwann weiterschreiben, wieder ins Wasser springen, Abendessen, wieder weiterschreiben. Frühaufsteher:innen haben vielleicht schon um acht Uhr mehrere Seiten geschrieben, Nachtvögel schreiben am Abend weiter. Irgendwann werden wir natürlich auch wieder weiterfahren. Da wird am nächsten Tag der Anker gehoben, in der Früh, während die Autorin noch schläft, heben wir den Anker, der Motor geht an und sie steht dann auf, sieht: wir sind woanders. Trinkt wieder ihren Kaffee, schreibt, wartet mit dem Schwimmen, bis wir irgendwo ankern. Dann besichtigt sie vielleicht den Ort, an dem wir gerade sind, kommt wieder zurück – neu inspiriert – und schreibt wieder weiter, springt wieder ins Wasser und pflegt ihren Sonnenbrand.
Das klingt doch nach einem, ich glaube auch sehr inspirierenden Tag, weil man viel Verschiedenes sieht und das alles einen dann beeinflusst beim Schreiben. Das ist sicher schön. Toll!
Wir haben auch schon Delfine gesehen, aber das kann man schwer versprechen.
Die kann man schwer buchen, dass sie dann da aus dem Wasser hüpfen, aber schön. Stelle ich mir toll vor. Sehr cool und auch eben sehr inspirierend, so beim Schreiben.
Im nächsten Teil unseres Interviews geht es darum, welche Rolle Bücher in Julias Alltag spielen, ihre Workshops, Inspiration und, welche Möglichkeiten es gibt, an ihren Workshops teilzunehmen! Es bleibt also spannend 😉
Bis dahin erfahrt ihr mehr über Julia, ihre Schreib-Retreats und ihre Bücher unter https://www.qburg.online/ sowie Instagram und ihr erreicht sie per E-Mail unter office@QBurg.online.