Allgemein, Hot Topic: Selfpublishing

Julia Burgstaller im Interview (Teil 2): Spannung, Schreib-Retreats, Selfpublishing

Julia Burgstaller hat mit QBurg einen Raum geschaffen, an dem sie ihre Liebe für Sprache und Literatur mit anderen teilen kann.

Im ersten Teil meines Interviews mit Julia Burgstaller ging es um das Reisen, ihre Inspiration fürs Schreiben und die Schreib-Retreats, die sie auf ihrem Segelkatamaran anbietet. Im zweiten Teil widmen wir uns ihren Schreib-Retreats, Spannung und dem Selfpublishing.

Liebe Julia, welche Rolle spielen Bücher in deinem Alltag und gibt es ein Buch, das dich vielleicht besonders geprägt hat oder so?

In meinem Alltag, das hat sich sehr geändert. Also in meinem Sprachstudium hat meine Professorin das for pleasure genannt, wir sollten also lesen, was uns gefällt, einfache Literatur, um eben die Fremdsprache zu lernen. Da habe ich die Spannungsliteratur vor allem gelesen, englisch, griechisch. Da geht’s immer um beides: Freizeit und lernen verbinden. Das ist auch jetzt so und das ist auch ein roter Faden, der sich durchzieht. Auch in der Erwachsenenbildung – die spielen gerne. Auch die Erwachsenen haben es gerne angenehm. Und das ist okay so, dass wir die Freizeit verbinden mit dem Nötigen.

Jetzt komme ich dazu, was mich geprägt hat: von der Spannungsliteratur Edgar Allan Poe, ein Klassiker und wunderbar zu lesen, spannend, inspirierend. Dann natürlich der Sherlock Holmes, jetzt seit neuestem, was das dazu lernen betrifft, alles Mögliche.

Selfpublisher:innen absolut, weil alles, was der Verlag nicht möchte, ist aus dem Standard raus – und genau das ist interessant.

Alles, was so aus dem Standard fällt. Alles, was anders ist und da sind wir wieder bei der anderen Perspektive. Der Frank Schätzing, dessen Geschichten immer wahnsinnig gut recherchiert sind, was sehr lehrreich ist.

Klingt gut. Weil du jetzt das Selfpublishing erwähnt hast – sind bei deinen Retreats mehr Leute, die im Selfpublishing veröffentlichen wollen, oder Leute, die überhaupt mal das Schreiben ausprobieren wollen, oder auch Verlagsautor:innen, wie sieht das aus?

Auch das ist unterschiedlich. Es geht ihnen meistens um ihre eigene Geschichte. Ob sie damit zu einem Verlag gehen, oder ob sie es dann selber veröffentlichen, steht da meist noch im Raum. Da steht die Geschichte erst mal im Vordergrund.

Das ist eh das Beste, wenn man sich mal darauf konzentriert und schaut, was kann da überhaupt draus werden? Und dann schaut, wie man es herausbringt. Das ist ja erst der nächste, nächste, nächste Schritt, aber es hat mich gerade interessiert.

Die Frage ist auch: Was will ich mit der Geschichte, was habe ich vor? Was ist der Plan?

Das heißt, die Autorinnen und Autoren bei euch, die reden dann mit dir, schauen, wie sich das entwickelt, bei Fragen, …

Genau, genau.

Ein Rundum-Service, sozusagen.

Genau, absolut. Das sind Sachen wie Technisches. Eine Autorin hatte noch kein Schreibprogramm, mit dem sie zufrieden war. Man sitzt ja eh zusammen und dann ergibt sich auch, dass man gefragt wird, und dass man das gemeinsam herausfindet.

Stelle ich mir cool vor.

Bei den Workshops ist das sowieso so.

Bei den Workshops was sind das zum Beispiel für Themen?

Das ein oder andere kommt aus der Linguistik, dann geht es um Spannungsliteratur, um Perspektivenwechsel, um die Sprache.

Spannung braucht ja jeder Text. Und es geht bei Spannung nicht nur um Spannungsliteratur, sondern um Spannung selbst, ganz allgemein. Ein Buch will und soll ja auch spannend sein.

Was ich noch fragen wollte: Die Inspiration für deine eigenen Bücher. Wie findest du die? Ich nehme mal an, natürlich die Reisen und dein Alltag und so, aber gibt es da irgendwie was wo du sagst, das bringt mir immer eine gute Geschichte? Das ist immer toll für mich?

Ja, um ein konkretes Beispiel zu nennen, ich gehe durch irgendwelche antiken Ausgrabungen, wo Göttinnen angebetet wurden und stelle mir vor, wie 1.000 Jahre später griechische Templer durch gegangen sind. Das stelle ich mir vor und die werden da für mich lebendig – Personen aus der Geschichte.

Zweitens dieses ganz andere Leben hier an Bord. Da merke ich schon, dass das so anders ist – und die Fragen, die ich manchmal bekomme, schreien nach Beantwortung. Das kommt dann in die Bücher

Und drittens die andere Perspektive, mit der ja jeder immer wieder zu tun hat.

Spannend! Ja das kann ich mir gut vorstellen. Genau, was sind so deine nächsten Projekte? Worauf darf man sich freuen von dir zu hören? Gibt es da irgendwas was schon in der Pipeline ist oder was du erzählen kannst?

Ja, da ist schon was in der Pipeline, die Schauergeschichten, da gibt es schon drei Sammlungen und im Sommer kommt die letzte, die vierte Sammlung heraus. Im Juli habe ich nur Segeln, also Spannung und Entspannung geplant. Dann im Herbst der Schul-Thriller, der ist gerade in Überarbeitung, da geht es um eine Recherche in verschiedenen Schulen, durch recherchiert jahrelang, und das ist auch wieder eine andere Perspektive.

Mhm, das glaube ich.

Soll hauptsächlich für Personen sein, die der Lehrberuf interessiert. Weiteres sind dann noch Reiseromane geplant, die an Out and back anknüpfen, die sind autofiktional. Da geht es um den Start unserer Reise mit dem Schiff. Teil zwei hat mit Out and back nicht wirklich was zu tun, aber es ergibt sich daraus. Und dann gibt es noch einen nächsten Teil, aber da möchte ich noch nicht [weiter ausführen] …

Bleibt noch spannend! Cool, das klingt sehr spannend und vielfältig. Was mir jetzt gerade noch ganz spontan eingefallen ist: Ich nehme mal an du arbeitest mit verschiedenen Leuten zusammen im Sinne von Lektorat u.s.w. Wie funktioniert das vom Schiff aus, habt ihr da öfter online Meetings oder ist das hauptsächlich per Mail oder wie funktioniert diese Organisation dahinter?

Genau wie du erwähnt hast online, genauso wie wir jetzt. Wobei ich die beiden Lektorinnen persönlich kenne, weil sie beide bei mir am Schiff gewesen sind auf Urlaub.

Schön.

Das ist für den Austausch schon sehr praktisch, online Meetings.

Ja das klappt ja gottseidank weltweit sehr gut.

Ja, ich habe gerade mit dem Schiffsbau den Tauschhandel wieder neu für mich entdeckt. Das ist eine super Sache für alle, die gerne einmal auf einem Segelschiff mitfahren möchten und etwas können, was ich brauche. Seien es Lektoren, sei es Korrektorat, Reels und Filme schneiden, fürs Marketing – da muss man kein Profi sein. Wer den Tauschhandel möchte und meint, segeln im Urlaub oder den Schreibretreat – gerne melden! Da kann jeder seine Stärke ausleben.

Dir kann man ja einfach E-Mails schreiben, auf deiner Website gibt’s die Kontaktdaten, und sich bei dir melden. Also alle, die das gerne machen wollen, sollen da mal reinschauen. Genau und ja zum Schluss noch zwei Fragen. Einerseits: Wo seid sie gerade und wo geht es als nächstes hin? Und andererseits: Welches Buch begleitet dich aktuell so für dich persönlich, privat?

Wir sind gerade auf Sizilien und beobachten den Wind. Weiter geht es entweder nach Sardinien oder nach Neapel, je nachdem, wie der Wind ausschaut. Längerfristig geht es dann in den Westen und früher oder später über den Atlantik.

Toll.

Das Buch, das mich begleitet, ist ein Krimi von einer Kollegin bei den Mörderischen Schwestern, da schaue ich unglaublich gerne, was die so schreiben. Gestern wurde ich fertig mit einem Thriller – also ganz gemischt. Schon hauptsächlich die Spannungsliteratur, aber ich schaue mich bei Kolleg:innen um. Es ist nicht eine Person, sondern ganz viele unterschiedliche. Um eine Person zu nennen, weil sie auch Thriller schreibt und auch auf einem Segelkatamaran unterwegs ist und darauf lebt, aber schon seit sehr vielen Jahren, die schon sehr viele Thriller raus gebracht hat, die mehr mit Segeln und unterwegs sein zu tun hat, ist U. T. Barreis.

Das ist ja dann genau dein Thema.

Ja, genau. Ich bin noch auf der Suche nach Spannungsliteratur und Belletristik, die in neutraler Sprache verfasst ist. Als Linguistin bin ich erstaunt, dass das noch nicht verbreitet ist. Gibt es, aber noch so selten.

Dann bedanke ich mich ganz herzlich für das Interview und wünsche dir noch eine wundervolle Weltreise, Weiterreise, und viele tolle Gäste auf deinem Boot.

Dankeschön, vielleicht sehen wir uns ja mal irgendwo.

Ja, gerne.

Mehr über Julia Burgstaller, ihre Schreib-Retreats und ihre Bücher erfahrt ihr unter https://www.qburg.online/ sowie Instagram.

Hinterlasse einen Kommentar