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Utopische Buchreihen – wie sieht unsere Zukunft aus?

Vor kurzem habe ich einen Artikel zum Thema Dystopien bei wortlicht.blog gelesen, der mir die Inspriation für diesen Blogpost gegeben hat. Ich habe schon immer gerne Utopien und Dystopien gelesen, aber auch mir ist aufgefallen, dass die meisten Geschichten, die sich mit der Zukunft befassen, dystopisch sind. Kurz zur Begriffserklärung, Utopien sind Geschichten, die sich mit einer positiven Zukunftsidee befassen, Dystopien zeichnen eine negative Zukunft.

Ich finde es dabei ganz spannend, und oft erschreckend und auch als Warnung zu verstehen, wie der Lebensstil der Menschen sie und die Erde in verschiedensten Szenarien in Gefahr bringt.

Ein oft verwendeter Gedanke in Dystopien ist die Beschädigung oder Vernichtung des Lebensraums Erde, sodass unser blauer Planet unbewohnbar wird, die Menschheit neue Lebensräume finden muss, beinahe vernichtet wird, oder auf der Erde neue Wege zum überleben finden muss.

Natürlich brauchen Bücher Plots, in denen etwas passiert, in denen Probleme zu lösen sind, in denen die Protagonisten vor Herausforderungen gestellt werden. Denn so entwickelt sich die Möglichkeit, Lösungen zu finden und auszuloten. Wenn alles in Ordnung ist, gibt es auch keine Geschichte.

Zuerst wollte ich die folgenden Bücher in Utopien/Dystopien mit positivem und negativem Ende ordnen, um jedoch nicht zu spoilern, habe ich mich entschieden, diese Gliederung weg zu lassen. Welche Utopien oder Dystopien habe ihr noch, die ihr empfehlen könnt?

Mortal Engines (Teil 1-4)

Titel: Krieg der Städte, Jagd durchs Eis, Der grüne Sturm, Die verlorene Stadt
Autor: Philip Reeve
Seiten: 332, 359, 380, 573
ET: ab 2001
Genre: Utopie

Besonders Band 1 und 3 habe ich sehr geliebt. Im ersten Band findet sich der Leser auf einer postapokalyptischen Erde wieder. Die Städte haben sich, angetrieben von gigantischen Motoren, in Bewegung gesetzt – und machen Jagd aufeinander. Es regiert der Städtedarwinismus – das Recht des Stärkeren. In diesem Buch hat mich die Beschreibung von den gewaltigen fahrenden Städten, auf Rädern und Raupen, fasziniert. Die beiden Hauptcharaktere Tom und Hester waren ein spannendes Protagonistenpaar voller Gegensätze – und mit unterschiedlichen Missionen…

Die Erde ist ein relativ unbewohnbarer Planet, die Ressourcenknappheit hat die Menschen dazu getrieben, mithilfe ihrer Städte gegeneinander zu kämpfen. Die Erde ist ein unwirtlicher Wüstenplanet und nur wenige Menschen leben außerhalb der Städte als Nomaden oder Lebenskünstler.

Leider verlieren die großartigen Beschreibungen des Lebens in diesen fahrenden Städten, der Zustand der apokalyptischen Erde und der Städtedarwinismus in den letzten Bänden zunehmend an Bedeutung und die Beziehungen der Protagonisten treten in der Vordergrund. Band vier habe ich mehrmals begonnen und doch nie fertig gelesen, in die Geschichte bin ich irgendwie nicht hinein gekommen. Ich war zu Beginn sehr angetan von den Beschriebungen dieser Welt, während mich die Entwicklung und die persönlichen Beziehungen der Protagonisten wneiger interessiert haben.

Die Tribute von Panem (Teil 1-3)

Titel: Tödliche Spiele, Gefährliche Liebe, Flammender Zorn
Autor: Suzanne Collins
Seiten: 416, 432 und 432
ET: ab 2010
Genre: Utopie

Eine Reihe, die wahrschienlich vor allem durch ihre Filme vielen bekannt ist. In der Zukunft entstand nach diversen Kriegen die große Nation Panem, bestehend aus 13 Distrikten. Nach einem großen Aufstand wurde jedoch der 13. Distrikt vom Kapitol, also der reichen Hauptstadt, vernichtet. Die verbliebenen 12 Distrikte müssen nun in jährlichen Hungerspielen jeweils ein Mädchen und einen Burschen in tödliche Hungerspiele schicken. Hierbei gibt es nur einen Sieger, der seinem Distrikt Nahrung und Wohlstand für ein Jahr gewährleistet.

Alle drei Bände der Ursprungstrilogie habe ich verschlungen, inzwischen gibt es noch einen weiteren Band, den ich jedoch nie gelesen habe. eine fesselnde Handlung inklusive Liebesgeschichte.

Besonders brutal fand ich bei Panem, dass die Teilnehmer, oft Kinder und Teenager, aus den ärmeren Distrikten eigentlich keine Wahl haben, und durch ihre Herkunft auch wenig Chancen haben, in diesem „Spiel“ zu gewinnen. Insgesamt ist es eine sehr brutale Idee, die Bevölkerung für Essen und Versorgung bis zum Tod gegeneinander kämpfen zu lassen. In den reicheren Distrikten haben die teilnhemer jedoch meiner Meinung nach höhere Chancen zu überleben, und wollen oft auch selbst teilnehmen, da sie eine Kampfausbildung erhalten und meist ihr Leben lang auf diese Spiele hinarbeiten. Die ärmeren Menschen werden ausgelost und haben oft einen bäuerlichen Hintergund und keine Ressourcen für ein für sie positives Esnde der Hungerspiele.

Hierbei greift das Buch natürlich verschiedene Facetten auf: einmal die Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit, dann die Überbevölkerung, denn scheinbar ist es unproblematisch, 23 Menschen in Spielen umzubringen, außerdem die Auswechselbarkeit eines jeden Individuums und viele andere Aspekte.

Natürlich gibt es viel Spannung in den Büchern und die Liebe spielt eine Rolle, jedoch fand ich auch spannend, dass am Ende auf die posttraumatischen Belastungen der ProtagonistInnen eingegangen wird, die diese Hungerspiele überlebt haben.

Cassia & Ky (Trilogie)

Titel: Die Auswahl, Die Flucht, Die Ankunft
Autor: Ally Condie
Seiten: 464, 464, 608
ET: ab 2011
Genre: Utopie

Mit 17 Jahren wird einem von den Oberhäuptern der Gesellschaft mithilfe eines Systems, der perfekte Partner zugeteilt, den man mit 21 Jahren heiraten wird. Die 17-jährige Kassie sieht diesem Tag freudig-aufgeregt entgegen, ist es doch ein Meilenstein im Leben ihrer Gesellschaft. Ihr wird ihr bester Freund zugeteilt, doch als sie sich zuhause in Ruhe den Mikrchip mit allen Informationen zu ihrem neuen Partner ansehen will, erscheint das Profil eines anderen Burschen: Ky. Cassia wird misstrauisch und hinterfragt die Richtigkeit und Sinnhaftigkeit des Systems…

Eine sehr spannende Trilogie mit einer tollen Darstellung einer dystopischen Welt. Alles wird überwacht und für die Bürger geregelt, sogar die Liebe. Bis es zur Revolution kommt…

In diesen Büchern geht es weniger um die Erde und ihre Ausnutzung als solches, sondern um eine zukünftige Gesellschaftsform, in der die Gemeinschaft in jeden Lebensbereich eines Individuums eingreift und den freien Willen der Menschen in vielen Bereichen extrem beschneidet.

Flawed / Perfect (Zweiteiler)

Titel: Flawed, Perfect
Autor: Cecelia Ahern
Seiten: 401, 426
ET: 2016
Genre: Utopie

Celestine North lebt ein Leben, das sich viele wünschen, alles ist perfekt. Sie ist Vorzeigetochter, hat tolle Freunde, ist gut in der Schule und mit dem perfekten Freund zusammen. Doch eines Tages wird ihr Leben aufgrund einer kleinen Entscheidung auf den Kopf gestellt: Denn durch diese Entscheidung riskiert sie, als fehlerhaft gebrandmarkt zu werden. Fehler sind in dieser Gesellschaft nicht gestattet. Jedem, der einen begeht, sei es ein großes Verbrechen oder auch nur ein kleiner Fehler, droht die Brandmarkung mit einem F als Flwaed/Fehlerhaft. Doch sind Fehler immer eindeutig schwarz? Sind Fehler nicht auch menschlich? Und ist dieses System wirklich im Sinne der Gesellschaft?

Diese beiden Bücher haben mich wirklich gefesselt, denn die Frage: Was ist ein Fehler – und welche Bestrafung nützt sowohl dem „Fehlerhaften“ als auch der Gesellschaft? begleitet einen sowohl durch Band 1 als auch 2 und regt zum Nachdenken an. Auch wenn die Bücher natürlich gerade beim Brandmarken für mich recht grauslig waren, fand ich es spannend, was einem Menschen passieren kann, der immer nach den Regeln gelebt hat, angesehen und beliebt ist, wenn er einmal aus Nächstenliebe gegen die Regeln handelt. Eine kleine Geste wird zu einem gigantischen, aufgebauschten Fall, der das wahre System zeigt, das nicht das Beste für Mensch und Natur, sondern für den Fortbestand der Gesellschaftsform im Sinn hat.

Amor-Trilogie

Titel: Delirium, Pandemonium, Requiem
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 416, 400, 400
ET: ab 2011
Genre: Utopie

In einer Welt, in der Liebe als Krankheit gilt, und sogar heilbar ist, würdest du das risiko eingehen, dich zu verlieben? Die junge Lena lebt in einer Welt, in der Liebe als Krankheit gilt. Mit 18 Jahren müsse sich alle einem kleinen eingriff unterziehen, der es verhindert, dass man sich verliebt. Diesem fiebert die fast 18-jährige Lena entgegen: endlich nicht mehr die Angst, sich plötzlich zu verlieben und die schlimmen Symptome dieser Krankheit zu entwickeln. Doch kurz vor diesem Eingriff kommt sie in Kontakt mit der Rebellion – und lernt Alex kennen…

Die Idee, Liebe als Krankheit zu sehen, fand ich sehr interessant. Zu Beginn des ersten Buchs erfährt der Leser, dass Liebe eine tödliche Krankheit ist. Deliria Nervosa. Man bekommt Herzrasen, isst nicht, wird abwesend und entwickelt viele weitere Symptome. Doch inzwischen hat die Wissenschaft ein Mittel gegen diese Krankheit gefunden und mit 18 Jahren wird jeder gegen die Liebe immunisiert. Ein sehr spannender Zugang und im Zuge des Buches auch komplett nachvollziehbar. Doch trotzdem fragt man sich immer: Ist die Liebe denn nciht schön? Sollte man sie wirklich verbieten und medizinisch behandeln und „heilen“? Ich mochte alle drei Bände sehr gerne und war gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt.

Die Bestimmung (Trilogie)

Titel: Divergent, Insurgent, Allegiant
Autor: Veronica Roth
ET: ab 2014
Genre: Utopie

Mit 16 Jahren schließt man sich einer der fünf Fraktionen an, welche fortan deine Familie ist, deine neuen Freunde, und auch deine Aufgaben in der Gesellschaft sind von deiner Fraktion bestimmt. Die fünf Fraktionen sind Altruan, die Selbstlosen, aus der auch die Hauptperson Beatrice kommt, Candor, die nach Wahrheit streben, Ken, die Gelehrten, Amite, die Friedliebenden, und Ferox, die Furchtlosen. Zwischen ihnen muss Beatrice wählen, und sie entscheidet sich für die Ferox und somit für ein gänzlich neues Leben voller Abenteuer und Gefahr.

Die Reihe hat mir sehr gut gefallen, wobei ich den letzten Band nie fertig gelesen habe, da dann schon die Filme im Kino waren^^.

Sirrah

Auch wenn Sirrah von Petra Gugel ein in sich abgeschlossener Roman ist, erwähne ich ihn hier, weil ich diese Geschichte sehr interessant gefunden habe. „Sirrah“ von Petra Gugel widmet sich der Frage, wie die Welt aussehen könnte, würden Frauen sie beherrschen. Wäre es eine bessere Welt? Die Protagonistin Sirrah wächst in ferner Zukunft in einer matriarchalen Welt auf, in der ihr als Frau alle Möglichkeiten offenstehen. Als Frau kann sie eine Ausbildung und Karriere machen, während Männer, wie ihr Bruder oder ihr Freund, die Benachteiligungen dieses Systems erfahren. Die beiden müssen körperlicher Arbeit nachgehen, da sie keine anderen Perspektiven haben, und nicht studieren oder eine Ausbildung machen dürfen. Doch es regt sich Unmut in der Bevölkerung. Ich habe Sirrahs Welt sehr spannend gefunden, schade war aber, dass die Sirrah nicht groß über ihre Gesellschaft nachdenkt, solange sich die Dinge zu ihren Gunsten entwickeln. Das Buch baut Spannung auf und man sieht, wie die männliche Bevölkerung quasi nur als arbeiter verwendet werden, während die Frauen nach Höherem streben und forschen, reisen, den Weltraum bereisen. Von der im Titel erwähnten Rebellion bekommt man wenig mit, da sie die Sirrah lange Zeit nicht interessiert, als sie dann endlich auch in die Geschehnisse verwickelt wird, geht alles so schnell, dass das Ende viel zu plötzlich kommt. Trotzdem habe ich die Idee dieser zukünftigen Welt spannend gefunden.

VOX

Der Roman VOX von Christina Dalcher beschäftigt sich mit der Frage nach der Macht der Worte. Was passiert, wenn man jemandem die Sprache nimmt? Was tun, wenn man nur mehr 100 Wörter am Tag sprechen darf? Wie soll man ohne Stimme gegen so ein System kämpfen? Wie lernen, sich ausdrücken? Das Wegnehmen der Stimme ist das Wegnehmen von Ausdruck, Freiheit, Mitspracherecht, es beschneidet einen, da man seine Gedanken und Gefühle viel zu vereinfacht und unvollständig ausdrücken muss. Raubt man Menschen ihre Stimme, so nimmt man ihnen die Teilhabe an der Gesellschaft und noch so vieles mehr.

8 Gedanken zu „Utopische Buchreihen – wie sieht unsere Zukunft aus?“

  1. Liebe Sophie, Deine Bücherempfehlungen sind wirklich sehr vielfältig und inspirierend. Danke dafür. Zu den utopischen Romanen wollte ich dir von einem erzählen, den ich letztes Jahr gelesen habe und der z. T. erschreckend wenig weit entfernt von unserem Leben ist. Er wurde von einem Kabarettisten geschrieben: Qualityland. Manches darin, was mir utopisch erschien, scheint es schon zu geben, und das ist sehr beunruhigend. Aber er hat eben auch komische Seiten, und ist überhaupt ganz anders aufgebaut, als ein „normaler“ Roman. Vielleicht interessiert dich das ja. Liebe Grüße und hoffentlich geht’s dir schon wieder besser! Michaela

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    1. Liebe Michaela, das freut mich sehr! Qualityland, davon hab ich schon mal gehört, ihn aber noch gelesen. Den werd ich mir anschauen, danke für den Tipp! Ein Roman von einem Kabarettisten ist in Bezug auf eine Utopie bestimmt interessant! Danke, es wird. Alles Liebe, Sophie

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  2. Hallo Sophie,
    wow, danke für die tolle Liste! Ich spiele seit ich deinen Blogpost gesehen habe mit dem Gedanken, auch so eine Liste (ähnlich der über Zeitreise-Romane) anzufangen – ich schreibe schließlich gerade an einer Geschichte, die in der Zukunft spielt und vielleicht sollte ich mal schauen, was alles schon geschrieben wurde, bevor ich so richtig anfange. Aber jetzt bin ich schon mittendrin im Buch.
    Ich hab noch gar nicht so viele Utopien/Dystopien gelesen. Vielleicht zählt „Die Zeitfuge“ von Michael S. Sullivan dazu, denn da reist die Hauptperson einige 1000 Jahre in eine utopisch-schöne Zukunft. Hat mir gut gefallen. Ein Klassiker ist ja „1984“ von George Orwell. Oder „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley. Auch „Corpus Delicti“ von Juli Zeh fand ich beeindruckend – ist aber schon ewig her, dass ich es gelesen habe. Auf meiner Liste steht noch Zoe Beck „Paradise City“ – davor schrecke ich bisher nur zurück, weil „Thriller“ drauf steht 🙂
    Ganz liebe Grüße und danke für die Anregungen!
    Tala

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    1. Liebe Tala,
      freut mich, dass dir meine Liste gefällt 🙂 Eine gute Idee, Bücher suchen, die in der Zukunft spielen, kannst du ja auch jetzt noch – ich bin sicher, da gibt es einige. „Die Zeitfuge“ kenne ich gar nicht, das muss ich mir mal anschauen. Ich will demnächst 1984 lesen, das habe ich schon ewig vor. Und ein Buch, das ich mal in der Schule gelesen habe, das mir aber eben erst wieder eingefallen ist, ist „The Giver“ oder auf deutsch „Hüter der Erinnerung“ von Lois Lowry. Darin bekommen alle Kinder mit 12 Jahren ihre zukünftige Rolle in der Gesellschaft zugeteilt. Außerdem werden fast alle Bereiche des Lebens kontrolliert: Wer wann wieviele Kinder bekommt, was man isst, trinkt, Ausbildung, Berufswahl usw. Der Protagonist Jonas bekommt bei seiner Berufszeremonie eine besondere aufgabe zugeteilt und dann sieht man ab da auch wirklich, was alles dazu geführt hat, das diese Gesellschaft so ist, wie sie ist. Hat mir auch sehr gut gefallen. LG, Sophie

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      1. Hallo Sophie,
        Das klingt ja auch total cool, das würde ich auch gerne mal lesen. Und 1984 sollte ich auch mal lesen, vielleicht wird es dieses Jahr was!
        Ganz liebe Grüße,
        Tala

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