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Ein Interview mit Krimi- und Thrillerautorin Symone Hengy

Talent liegt oft in der Familie und diesmal habe ich ein Schwesternpaar kennen gelernt, von dem beide Schriftstellerinnen in ganz unterschiedlichen Bereichen sind. Vor Kurzem hatte ich ein sehr schönes Interview mit der Lyrik- und Kinderbuchautorin Kris Felti, durch die ich auch ihre Schwester, Symone Hengy, kennen gelernt habe. Sie schreibt Krimis und Thriller – Genres, die ich beide sehr liebe! Darum haben wir uns zu einem Interview verabredet, welches ihr im Folgenden lesen könnt – viel Spaß dabei 🙂

Liebe Symone, vielen Dank, dass ich dich heute interviewen darf. Du schreibst Thriller und Krimis – wie bist du denn zu diesen Genres gekommen und was fasziniert dich an ihnen?

Vor zehn Jahren las ich eine Dokumentation über den österreichischen Serienmörder Jack Unterweger, der Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre mehrere Prostituierte umbrachte und erst durch die Profiler des FBI gestellt werden konnte – die Geburt des Profiling in Österreich.

Recherchen für Deutschland ergaben, dass man hier bis Anfang der neunziger Jahre an „traditionellen“ Arbeitsweisen festhielt.

Diese Recherchen inspirierten mich, einen Kriminalroman über das Profiling in Deutschland zu schreiben. Um der Komplexität des Themas wenigstens annähernd gerecht zu werden, wurde daraus eine Trilogie.

Danach folgten weitere Thriller.

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Nein.

Welches ist dein Lieblingsbuch – und warum?

„Gute Geister“ von Kathryn Stockett.

Richtig, es ist kein Krimi.

Ich habe das Buch auch nur deshalb gelesen, weil es mir von meiner Tochter wärmstens ans Herz gelegt wurde. Der Roman beschreibt das Leben afroamerikanischer Haushälterinnen in Jackson, Mississippi in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.  Es geht um Rassismus, Ausgrenzung und Demütigung. Doch trotz der deprimierenden Thematik kommt dieses wunderbare Werk ganz ohne trostlose Bilder aus.  Es ist ein Roman, der einerseits den Finger in die noch immer nicht verheilten Wunden amerikanischer Geschichte legt, aber andererseits auch Hoffnung gibt. Und es ist eine wahre Geschichte. Mit einem Happy End. Das hat mich am Ende am meisten berührt und begeistert.

Liest du selbst gerne Krimis und Thriller, gruselst du dich gerne?

Ich liebe spannende, gut recherchierte, tiefsinnige, emotionale und intelligente Kriminalromane wie die von Fred Vargas, Karin Fossum, Jussi Adler Olsen, Simon Beckett und Peter Temple. Autoren wie diese bestärken mich in meinem Bestreben, ebenfalls spannende, gut recherchierte, tiefsinnige, emotionale und intelligente Bücher zu schreiben.

Was macht dir am Schreiben am meisten Spaß?

Die Leserschaft auf eine falsche Fährte zu locken, sie mitzureißen und zu überraschen.

Wie gehst du das Schreiben deiner Bücher an? Hast du eine spezielle Methode?

Ich schreibe einen Plot von wenigen Zeilen. Ist der stimmig, baue ich ihn zu einer Geschichte auf ein bis zwei Seiten auf. Dann zerstückele ich diese Geschichte in Kapitel. Feile an ihnen, bis sie logisch und nachvollziehbar ist. Baue ein paar Schleifen und Irrwege ein.

Glaubst du, in jedem von uns schlummert etwas Böses?

Wer das Gegenteil behauptet, lügt.

Dein neuestes Werk ist Operation Gay Bomb in dem der Täter zur Selbstjustiz greift – worum geht es in dem Buch?

Es geht um Kindesraub in der ehemaligen DDR, um verbotene Waffen-Forschungen, alte Seilschaften, grausige Morde … Freundschaft, Schuld … und den Traum, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Träumen wir nicht alle davon? 

Deine Bücher drehen sich um spurenlose Morde, verstümmelte Hotelgäste, du nimmst die Perspektive der Täter ein – was fasziniert dich an Mördern und Verbrechern?

Es sind nicht die Mörder und Verbrecher, die mich faszinieren, sondern die Vertreter der Strafverfolgungsbehörden. Diese Menschen riskieren ihr eigenes Leben, damit wir uns sicher fühlen dürfen.

Siehst du durch das Schreiben von Krimis und Thrillern überall in der Welt nur noch das Schlechte?

Nein, ganz im Gegenteil! Ich verstehe meine Bücher als einen wichtigen Beitrag, gesellschaftliche Unzulänglichkeiten aufzuzeigen. Ursache und Wirkung. Die meisten Menschen halten sich an die Regeln. Aber es gibt eben auch welche, die ihre eigenen Interessen über die von anderen stellen. Die mitleidlos über Leichen gehen. Ihnen den Kampf anzusagen, darum schreibe ich.

Hilft dir das vielleicht sogar beim Schreiben?

Es spornt mich an.

In Ekstase – Tödlicher Rauch schreibst du zum Beispiel auch aus der Perspektive des Täters, was das Buch besonders spannungsgeladen macht. Wie versetzt du dich in die Abgründe der menschlichen Seele, um dann so vielschichtige Charaktere zu schreiben?

Im Roman ist es wie im realen Leben, es gibt sympathische Menschen, liebeswerte Trottel, farblose Zeitgenossen und bösartige Typen. Um sie für den Leser erlebbar zu machen, greife ich auf meine eigenen Erfahrungen zurück und beschreibe meine Figuren so, wie ich ihre Vorbilder aus dem realen Leben wahrnehme. Die guten oder schlechten Eigenschaften werden dann je nach Bedarf überspitzt dargestellt, um den Leser entweder für diese Figur oder gegen sie einzunehmen.

Wer wie ich gern beobachtet, dem fällt es nicht besonders schwer, aus der Sicht eines sympathischen, liebenswerten oder farblosen Menschen zu schreiben. Viel schwieriger ist es, sich in die Figur des grausamen Mörders hineinzuversetzen. Die Beschäftigung mit dem Bösen kann einen dann schon mal bis in die Träume verfolgen. Aber ich greife bei der Entwicklung meiner Figuren auch gern auf gängige Klischees zurück, die ich mit aktuellen Meinungen und Befindlichkeiten verbinde.

Welchen Tipp würdest du angehenden Thriller-AutorInnen geben?

Selbst viel zu lesen. „Lest die Besten der Genres! Lernt von ihnen, ohne sie zu kopieren! Bleibt euch und euren Ideen treu!“

Woher nimmst du deine Inspiration?

Aus dem Leben.

Mal inspiriert mich ein besonders verabscheuungswürdiger Mord, dann eine bestimmte Situation. Mal eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, dann Ignoranz.

Ein Blick in die Menschheitsgeschichte verrät, dass Verbrechen wie Diebstahl, Vergewaltigung, Körperverletzung, Mord und Totschlag seit je her nicht nur Ausnahmeerscheinungen waren und sind, sondern schon immer unser Leben prägten und prägen.

Was hast du in Zukunft für deine Bücher geplant? Arbeitest du derzeit an neuen Geschichten?

Der Nachfolger von „Operation Gay Bomb“ ist fertig geschrieben. Darüber hinaus arbeite ich bereits an zwei weiteren Büchern.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis in Bezug auf deine Arbeit als Autorin?

Schöne Erlebnisse sind, wenn ich Leserinnen und Leser meiner Bücher persönlich treffe. Doch auch die Freundschaften, die sich in den sozialen Medien entwickelt haben, möchte ich nicht mehr missen. Außerdem genieße ich den Austausch mit anderen Autorinnen und Autoren.

Vielen Dank für das schöne Interview 🙂

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Symone Hengy wurde 1965 in Dresden geboren und wuchs in der Nähe von Meißen auf, inzwischen lebt sie in Baden-Württemberg. Sie arbeitete bereits als Ingenieurin, leitende Angestellte im öffentlichen Dienst, als Steuerfachangestellte, Bibliothekarin, Webdesignerin und Versicherungsfachfrau, bevor sie sich ganz dem Schreiben zuwandte.

Symone Hengy ist Ehrenwertes Mitglied im Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur – SYNDIKAT e.V. und Mitglied bei den Mörderischen Schwestern e.V.

Mehr zu Symone Hengy findet ihr unter www.symonehengy.de , auf Facebook, Twitter und Instagram.

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