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„Es ist eine sehr emotionale Phase für mich gewesen, das Buch zu schreiben.“ Ein Interview mit Anett Klose zu ihrem neuesten Roman „Eine Handvoll Würfelzucker“ (erster Teil)

Anett Klose begleiten Bücher schon ihr ganzes Leben lang. Hat sie als Kind viel gelesen, so schreibt sie inzwischen ihre eigenen Bücher und erzählt Geschichten aus dem Leben: über Heimat, Familie und Fragen des Lebens. Seit Kurzem ist Anetts historischer Roman „Eine Handvoll Würfelzucker“, in dem die Autorin aus Plauen im Vogtland historische Fakten ihrer eigenen Familiengeschichte mit einer fiktiven Erzählung verwoben hat, im Handel erhältlich. Das e-book erschien am 23. Oktober. Ich durfte sie zu ihrem neuen Roman interviewen. In diesem ersten Teil unseres Gesprächs geht es vor allem um ihr neues Buch, Selfpublishing und Social Media. Viel Spaß beim Lesen!

Infos zum Buch:

Titel: Eine Handvoll Würfelzucker

Genre: Belletristik, historischer Roman

ET: 11.10./23.10.2021

I: Hallo Anett, danke für das Interview. Ich wollte gleich fragen, dein neuer historischer Roman „Eine Handvoll Würfelzucker“ hat ja gerade sein Cover-Release gehabt und es sieht wirklich wunderschön aus. (Danke.) Wie war denn für dich die Zusammenarbeit mit deiner Coverdesignerin, Catrin Sommer?

Anett Klose: Catrin Sommer von Rauschgold Coverdesign habe ich ausgesucht, weil mir die Sachen, die sie vorher gemacht hat, gut gefallen haben. Cover, die sie schon so macht, haben mich angesprochen, wo ich gesagt habe: Wenn ich jetzt nicht schon eine genaue Vorstellung von dem hätte, was ich will, würde ich das nehmen. Vor allem habe ich jemanden gesucht, der nicht nur ein schönes Cover machen kann, sondern der mir auch beim Buchsatz hilft. Vor allem bei der Gestaltung der Innenseiten, weil ich da was Spezielles im Kopf hatte. Und das hat sie auch super gemacht.

Und dann muss ich sagen, ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung. Auf diesem Cover sind Fotos aus unserem Privatbesitz, Fotos der Protagonisten, und wie man die in Szene setzen kann, dafür reichte meine Kreativität nicht aus. Ich habe ihr die Fotos gegeben und gesagt „Mach was draus“. Das Beste, was dann passieren kann ist, dass einen so ein kreativer Kopf überrascht. Und das hat sie total gemacht. Als ich gesehen habe, was die damit gemacht hat, wusste ich, was ich wollte.

Wow, Wahnsinn.

Das ging unwahrscheinlich schnell. Ich weiß noch genau, ich habe die erste Variante gesehen und habe gesagt: Wow, die Farbe finde ich klasse. Und dann ging es eigentlich nur noch um Schriftart und Schriftfarbe hin und her. Dann hat sie eben auch die Twists reingebracht mit der Verbindung zur Stadt Plauen mit Spitzenmotiven und dieser Briefmarken, die da drauf sind.

Das ist diese Plauenspitze, gell, die da drauf ist.

Ja, genau.

Über die Veröffentlichung eines Buches

Dieser Oktober, dieser Monat, ist ja insgesamt sehr ereignisreich für dich, weil am 23. Oktober „Eine Handvoll Würfelzucker“ erscheint und deine neue Website online gegangen ist. Da kann man deinen Roman auch schon vorbestellen. Was ist bis dahin noch alles zu tun?

Also jetzt ist die Phase schon vorbei, wo’s total hektisch ist. Weil der Buchsatz ist fertig, das Cover ist fertig, man hat schon alle Vorlagen für Flyerdruck und Postkartendruck und Lesezeichen.

Jetzt kommt eigentlich die spannende Phase, in der man die Pakete aufmacht und da ist dann der Flyer drin und das Lesezeichen. Oder jetzt ist bei mir die Phase: Buch hochladen und gucken, dass dann auch alles klappt (lachen) das ist total spannend, weil man da davorsitzt und dann dreht sich dieses kleine Rädchen und dann wird geprüft und dann hofft man, dass da drunter steht „ja, kann man verarbeiten“. Meistens klappt das ganz gut, aber es ist trotzdem spannend.

Dann kommt die Phase, in der man sich die Buchblogger sucht, die Leute, die lesen, die hoffentlich das auch spannend finden.

Dann geht’s in die Phase, in der man Leute sucht, mit denen man einfach über das Buch sprechen kann, damit es Aufmerksamkeit bekommt. Dass man sich überlegt, wo sind jetzt die nächsten Schritte in der Werbung und im Marketing? Und ehrlich gesagt ist jetzt schon fast die Zeit, dass man das genießt, dass das Baby raus ist. Es ist eine sehr, sehr emotionale Phase für mich gewesen, das Buch zu schreiben und zu überarbeiten, weil es eben wirklich eine sehr private Erzählung über die Geschichte meiner Familie ist.

Ja, das kann ich mir vorstellen, das ist sicher aufregend. Wie sieht denn bei dir der Prozess der Ideenfindung bis zum fertigen Buch aus? Oder wie sah der hier aus?

Es gibt ja, wie bei jeder Geschichte, irgendein Thema, wo man sagt das wäre doch eigentlich toll. Und dann fragt man sich: Hat da schon mal jemand darüber geschrieben? Wenn das nicht so ist… Ich fange in der Regel mit einer Timeline an den historischen Begebenheiten der Zeit, in der ich mich ansiedeln möchte und auch der Region. Also in dem Buch war es halt ganz klar, die war vorgegeben. In diese Timeline dann rein zu schreiben, was passierte wann, wo? Welche Personen spielen mit? Wo finden die sich in dieser Timeline wieder? Wie finden sie sich? Wie arrangiere ich das?

Ich würde Museen besuchen. Und dort kriegt man dann auch nochmal ganz viel Input zu Begebenheiten, die man dann mit aufziehen kann. Wenn man da mal hingeht und in einem Archiv sagt: Ach, gib mir doch mal die Protokolle von dem Verein, oder: von der Frauenvereinigung, oder: Zeitungen von einer bestimmten Zeit. Da kriegt man natürlich ganz viel Lokalkolorit.

Und das pack ich in diese Timeline rein und dann plotte ich einen Familienstammbaum in diese Timeline. Ich versuche dann zu entscheiden, wer sind die tragenden Personen? In welcher Zeit? Da passieren eigentlich schon ganz viele Szenen in meinem Kopf, weil ich irgendwas gesehen habe, was ich verarbeiten möchte. So ungefähr. Chaotisch! Aber irgendwo hat es Struktur. Das klingt immer total verrückt, wenn die Leute sagen: Da kommt eine Figur! Aber es ist wirklich so. Wenn man nicht etwas schreiben muss, also sich nicht an eine festgelegte Abfolge halten muss, wenn ich die Freiheit habe, einfach mal zu schreiben, dann tauchen da schon Leute auf, die ich nicht auf dem Schirm hatte.

Das ist sicher ein toller Prozess.

Man muss ja bestimmte Sachen beachten, es muss spannend bleiben, es muss erklärbar bleiben. Was mir ganz oft auffällt… Also das ist ja jetzt erst mein zweites Buch, das ich veröffentliche, und an meinem dritten Buch arbeite ich. In der Geschäftswelt, in der ich mich viele Jahre aufgehalten habe, da muss man kurz und knapp erklären, wie komme ich von A nach B und was ist bei C passiert. Und das muss man so machen, dass man den Zuhörer in 30 Sekunden kriegt. Das muss man in einem Buch ganz anders machen: Man muss den Leser mitnehmen auf die Reise von dieser Figur und darf nicht vergessen, auch die kleinen Schritte zu erklären.

Über das Selfpublishing

Deinen ersten Roman hast du ja veröffentlicht, nachdem du jahrelang einem komplett anderen Beruf nachgegangen bist. Was hat dich damals dazu bewogen ein Buch zu schreiben?

Das war wirklich der… Wir hatten einen Hund, einen Beagle. Der Arko war 16 Jahre in unserer Familie. Das war so wie ein drittes Kind für uns… Jeder, der Haustiere hat, der kann das sehr sehr gut nachvollziehen und ähm Arko ist sehr plötzlich verstorben, also wirklich von jetzt auf dann. Und so schwierig das Organisieren von Familienleben mit Hund manchmal ist, als er dann auf einmal nicht mehr da war, habe ich gesagt: Ach du lieber Himmel! Das ist ja schrecklich.

Dann kam diese Phase, in der man wirklich getrauert hat und in der auch auf einmal jeder, den man kannte, irgendwelche Geschichten wusste und sich erinnert hat. „Kannst du dich noch erinnern, als er auf den Tisch gesprungen ist und die Butter runtergeholt hat?“. Und irgendwie habe ich dann gedacht: eigentlich müsste man das alles aufschreiben, damit das nicht verloren geht. Dieses Feedback, was ich bekommen habe, von Hunderten Hundebesitzern, die das gelesen haben, war so schön, dass man dann am Ende auch wieder drüber lachen kann. Dass man am Ende diese 16 Jahre als das sieht, was sie waren: eine totale Bereicherung.

Das ist… finde ich so toll. Ich hatte selbst einen Beagle, der ist fünfzehneinhalb geworden (A: Ach!) und ich kann, also… Ich habe auch dann, wie ich ein bisschen geschaut habe, ich habe noch vor, dieses Buch zu lesen.

Ja, das musst du unbedingt tun, das ist wirklich so, dass man… Also man erlebt mit denen ja die verrücktesten Sachen. Und dann gibt es eben auch diese berührenden Momente, weil die ja so unwahrscheinlich feinfühlig sind.

Mhm, das ist auch einfach wunderschön, wenn man sich in seine eigenen Erinnerungen nochmal einlesen kann… Zurück zum Selfpublishing: Was ist denn dabei besonders wichtig?

Die Reichweite ist halt einfach ein Thema, wenn man Selfpublishing macht und keinen Verlag im Hintergrund hat, der Geld hat und Werbung machen kann, muss man halt selbst schauen, dass man das auch ein bisschen unter die Leute bringt, dass man dann sagt: Ach hier, mach doch mal und lies doch mal. Da freue ich mich auch natürlich immer sehr drüber.

Und wie macht man das? Wie ist das Selfpublishing? Macht dir das Spaß? Da kann man dann ja alles selber machen. Es ist sicher auch anstrengend, oder herausfordernd, aber andererseits kannst du ja wahrscheinlich alles selbst bestimmen, oder?

Also, die eine Seite ist natürlich wirklich schon, also bei diesem Buch war es so, dass ich von Anfang an gesagt habe, ich suche mir keinen Verlag. Ich möchte das im Selfpublishing machen, weil ich eine genaue Vorstellung hatte, wie ich das schreiben möchte. Ich möchte niemanden haben, der mir dann vorschreibt, wie ich die Geschichte meiner Großeltern erzähle.

Das Andere ist, ich wusste auch, wie ich den Einband mache. Ich sage jetzt mal, wenn ich zu einem Verlag gehe, dann schreibe ich und den Rest gebe ich ab. Ich habe da aber auch nicht mehr so viel Mitspracherecht. Ich kann nicht sagen: Ich mache das Buch in der und der Form. Also ich habe keine Erfahrung damit, aber rein theoretisch ist es so, dass man wirklich sagt: okay, jetzt ist es nicht mehr mein Ding.

Und es bleibt natürlich, wenn man alles selber macht, jeder Druckfehler an dir hängen. Es ist unwahrscheinlich stressig, weil man immer was übersieht. Ich mein, das sieht man auch bei einem Fitzek, aber es ärgert einen, wenn man so viel Zeit investiert. Aber es gibt Geschichten, die müssen raus. Auf der anderen Seite, ich wäre auch nicht abgeneigt, mal ein Buch mit einem Verlag zu schreiben und mich echt nur aufs Schreiben konzentrieren zu können. Fände ich auch cool. (Lachen)

Das kann ich verstehen, das ist dann sicher richtig entspannend, im Verhältnis.

Glaub ich auch. Es ist einfach viel, worum man sich nicht kümmern muss. In den letzten zwei Monaten habe ich nichts anderes gemacht, als Veröffentlichungssachen für dieses Buch.

Über Selfpublishing und Social Media

Welche Tipps hast du für Autoren, die auch jetzt gerade vielleicht vor der Veröffentlichung stehen, oder ein Buch geschrieben haben, und das jetzt gerade machen wollen, vielleicht auch im Selfpublishing? Oder wie war das bei dir?

Ich habe ganz große Unterstützung im Netz gefunden, vor allem Instagram. Sich dort zu bewegen, zu vernetzen und andere zu unterstützen und auch selber um Hilfe zu fragen, das finde ich wirklich toll. Und wenn dann die große Werbephase am Anfang vorbei ist, und man sich mehr auf sich selber konzentriert, auch bei anderen mitmachen und sich gegenseitig unterstützen. Und diese ganze Geschichte mit Frauen-Empowerment und nicht neidisch sein auf den Erfolg eines anderen, sondern das zu feiern. Das finde ich total wichtig. Gerade bei Instagram findet man so viele, unwahrscheinlich tolle Autorinnen und Autoren, mehr Frauen als Männer, die das selber machen und sich da total reinhängen und ihren Lesern so viel Sidecontent zur Verfügung stellen. Das finde ich im Buchladen nicht. Auf diesen Plattformen kann man eine Menge erleben, auch eine Menge Unterstützung erleben. Man kriegt auch sofort Feedback.

Man muss halt versuchen, alle Plattformen irgendwie zu bespielen. Was heutzutage immer noch geschrieben wird, dass man das unbedingt machen muss, ist Pressearbeit. Ich habe da ganz viel gemacht, aber wenn man sich die Verkaufszahlen anschaut, ist es nicht relevant. So blöd, wie es klingt. Bei 80.000 Neuerscheinungen im Jahr, wo ist da der kleine Selfpublisher mit seinem Buch? Das kann man wirklich nur selber machen. Man kann alle seine Freunde mobilisieren, es allen sagen, vertreibt es, Flyer austeilen, überall, wo man kann. Wenn ich verreise, ich habe immer ein Buch dabei, ich habe immer Flyer dabei. Ich gehe in jeden Buchladen in dem Ort, wo ich bin, und stelle mich vor. Das wird auch angenommen. Und meine Bücher sind alle gelistet bei den großen Händlern. Man muss selber die Werbetrommel rühren.

e-Book oder doch Papier?

Ich habe das auch toll gefunden, bei dir auf der Website, du hast ja auch Links zu jedem größeren Onlineshop. Das habe ich total nett gefunden, weil egal, was man gerne hat, man kann dahin gehen und findet dein Buch.

Ich finde das auch wichtig, weil es gibt nicht nur einen Großen, es gibt ja auch die Autorenbuchhandlungen, wo man die Selfpublisher unterstützen kann, weil wir ein paar Cent mehr bekommen, als im normalen Handel. Es gibt natürlich den Kindle-Leser und den Tolino-Leser und man sollte halt alle mit abbilden. Ja, oft gibt es Bücher von großen Autoren nur noch als Kindle, die genauso viel kosten, wie ein normales Taschenbuch, wo ich sehr erstaunt bin drüber. Komischerweise ist es ja nach wie vor so, dass e-books nur 20 Prozent der Leserschaft ausmachen, das ist nicht wirklich viel.

Eigentlich nicht, nein.

A: Der Leser will nach wie vor ein Stück Papier in der Hand und will das anfassen können. Hat sich nicht bewahrheitet, dass alles nur noch digital wird. Darauf muss man eingehen, deshalb finde ich auch, dass es nach wie vor dazu gehört, dass man ein Hardcover anbietet. Von meinem Hardcover, vielleicht 10 Prozent der Käufer kaufen ein Hardcover. Aber das sind vielleicht die 10, die das Buch nicht kaufen würden, wenn sie es nicht bekommen würden.

Eben, und man deckt dann doch mehrere Lesergruppen ab.

Mein Buch, das ist halt illustriert, da gibt’s bei jeder Kapitelüberschrift eine Grafik oben drüber, also, dass das auflockert und ein bisschen hübsch macht. Das kann man halt im e-book nicht lesen, das können die nicht übersetzen in die digitale Welt. Das Erlebnis „Buch“ ist ein bisschen abgeschwächter, als wenn man das Original in der Hand hält.

Ich habe bis jetzt noch nie drüber nachgedacht, aber was ich immer schade finde bei e-books, also ich finde es super praktisch für den Urlaub, oder so, aber dass halt das schöne Cover meistens nicht so gut, weil das ist dann entweder in Schwarzweiß, oder so klein.

Genau, ja. Geht halt nicht anders, das ist nicht machbar. Oder eben Bilder, die drin sind, und so Sachen, das geht eben verloren. Es geht auch anderes verloren: die Formatierungen, die Schriftarten, Dinge, mit denen man in einem Buch Sachen sagt. In meinem Buch drucke ich Originalbriefe meiner Großeltern ab, und die sind halt einfach in einer Handschrift gedruckt, die ich im e-book nicht abbilden kann.

To be continued…

In Teil 2 dieses Interviews spreche ich mit Anett Klose über das Thema Heimat und was es damit in ihrem neuen Roman Eine Handvoll Würfelzucker auf sich hat.



3 Gedanken zu „„Es ist eine sehr emotionale Phase für mich gewesen, das Buch zu schreiben.“ Ein Interview mit Anett Klose zu ihrem neuesten Roman „Eine Handvoll Würfelzucker“ (erster Teil)“

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