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Was bedeutet Heimat? Ein Interview mit Anett Klose zu ihrem Buch „Eine Handvoll Würfelzucker“ (zweiter Teil)

Anett Klose begleiten Bücher schon ihr ganzes Leben lang. Am 23. Oktober erschien Anetts historischer Roman Eine Handvoll Würfelzucker, in dem die Autorin aus Plauen im Vogtland historische Fakten ihrer eigenen Familiengeschichte mit einer fiktiven Erzählung verwoben hat. Im zweiten Teil unseres Interviews geht es um die Bedeutung von Heimat in ihrem neuen Roman.

Zum ersten Teil dieses Interviews geht es hier. Die Rezension ihres Buches Beaglemeute unplugged findet ihr hier.

Auf ihrer Homepage anett-klose.de erzählt die Autorin aus Plauen von ihrer Heimat, den malerischen Hügeln und Tälern, von den Bewohnern dieser Gegend, die ein besonderer Menschenschlag sind, hartarbeitend, stur, liebevoll, loyal. Und stolz. Diese Freude an der Heimat hört man auch, wenn man sich mit Anett Klose unterhält, und man merkt sie, wenn man sich ihren neuen Roman Eine Handvoll Würfelzucker ansieht.

Wie Heimat prägt und was Nachhausekommen bedeutet

Dein Roman spielt in Plauen, wo du auch aufgewachsen bist. Wie glaubst du, hat dich denn deine Heimat als Schriftstellerin vielleicht geprägt, oder hat sie dich geprägt? Ich bin ziemlich sicher.

Ja, natürlich. Ich glaube, das tut jede Heimat. Aber egal, wo man aufwächst, das hinterlässt Spuren. Die Menschen hinterlassen Spuren, die historischen Begebenheiten hinterlassen Spuren bei dir. Ich bin hinter der Mauer aufgewachsen als sie noch stand, die fiel erst, als ich 25 war. Das heißt, die ersten 25 Jahre, und auch ganz viele sehr bewusste Jahre, habe ich damals noch in der DDR gelebt. In diesem Grenzgebiet, in dem wir uns da befunden haben in Plauen, war es nochmal anders, als irgendwo mittendrin.

Das prägt dich, also diese Geschichte prägt. Da gibt’s für jeden Menschen Dinge, die einen mit der Heimat verbinden.

Und das ist immer noch so, wenn ich dahinfahre und von der Autobahn runterfahre, dann fahre ich auf der Autobahn immer entlang, wo früher der Grenzstreifen war. Da steht halt heute ein Schild „Hier war früher die Republik Deutschland geteilt“. Ich schaue dann da in diese sehr hügelige Landschaft hinein, das ist ein ganz weiter Blick, das ist immer noch Nachhausekommen. Immer noch.

Und wo du von Nachhausekommen sprichst, das muss ja auch spannend gewesen sein, quasi deine Heimatstadt neu zu entdecken, oder neue, Aspekte kennenzulernen?

Ganz genau. Das ist richtig. Es ist schon erstaunlich, ich bin natürlich jetzt schon über 20 Jahre weg. Ich war vorher auch schon weg in anderen Städten, aber ich habe natürlich doch die meiste Zeit meines Lebens da gelebt.

Jetzt geht man zurück und da verändert sich in 20 Jahren eine Menge, wie in jeder Stadt auch. Jetzt war es halt so, in den letzten 20 Jahren waren die Besuche in der alten Heimat immer kurz. Aber man nimmt sich halt keine Zeit für die Stadt, für die Umgebung. Da denkt man immer noch „das mache ich irgendwann mal“, das ist eigentlich immer so. Man kennt die Dinge, die man in der Heimatstadt hat, meistens nicht so gut.

Im vergangenen Jahr, nachdem ich mit Würfelzucker sehr weit war, habe ich mit einer Freundin durch Zufall eine Tour in der Stadt gemacht, wo es um die Spitzenindustrie ging. Da ist mir dann die Idee für ein nächstes großes Buchprojekt gekommen. Da, muss ich sagen, habe ich in den letzten 12 Monaten ganz viele neue Dinge über meine Heimatstadt erfahren, die ich vorher nicht wusste. Wo ich mich eingelesen habe, Museen besucht habe, Führungen gemacht habe, Archive besucht habe. Das ist ganz spannend, da denkt man dann „warum habe ich das früher nicht gemacht“, aber das kann man sich auch selber beantworten. Vor 20 Jahren, da war man beschäftigt mit Kinderkriegen und Häuser bauen und Karriere machen, da war für sowas gar keine Zeit.

Ja, klar, das ist verständlich. Es gibt ja oft für alles verschiedene Lebensabschnitte und manchmal hat man einfach mehr Zeit für solche Dinge, und manchmal ist es halt einfach stressiger, weil man, wie du sagst, berufstätig ist, Kinder kriegt, Ausbildungen macht.

Ganz genau, alles hat seine Zeit.

Genau, alles hat seine Zeit und ist ja auch schön, wenn das jetzt kommt, dass man sich mit seinen Wurzeln beschäftigen kann.

Absolut, absolut, ja.

Mehr zu Anett Klose findet ihr auf ihrer Homepage, sowie auf Facebook und Instagram.

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